Navigation

Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Im Gespräch mit dem Papst Licht der Welt

Ein Gespräch mit Peter Seewald

Petra Pfeiffer aus der Redaktion Religion und Kirche hat die ganze Nacht durchgelesen. Das Buch von Peter Seewald über das Oberhaupt der katholischen Kirche unterlag größer Geheimhaltung und einer Sperrfrist. Ob sich der Stress und die Aufregung gelohnt hat und was man wirklich Neues über das Privatleben des Papstes erfährt, können Sie hier nachlesen:

Kurzinfo

Titel der Reihe:
Licht der Welt: Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit
Ein Gespräch mit Peter Seewald
Autor:
Benedikt XVI., Peter Seewald
Verlag:
Verlag Herder
Produktion:
24. November 2010
Preis:
19,95 Euro

Sperrfrist, Geheimhaltungsvereinbarung – hat sich die ganze Aufregung gelohnt?

So wahnsinnig Spektakuläres steht eigentlich nicht drin. Es ist ein Sammelsurium von allen möglichen Themen: legt der Papst gelegentlich mal die Soutane ab um dann einen Freizeitpullover zu tragen, bis zu sexuellem Missbrauch und allen kirchlichen Reizthemen wie Zölibat und Homosexualität. Es kommt wirklich alles vor, da ist auch wenig Überraschendes zu lesen, abgesehen von der neuen Aussage über Kondome. Insgesamt ist das für meine Begriffe kein Buch, das man Wort für Wort lesen müsste. Man bekommt schon beim Überfliegen einen guten Eindruck von der Persönlichkeit dieses Papstes: er ist bescheiden, er hält sich selbst nicht für einen großen Papst.

Neues übers Privatleben?

Das meiste ist schon lange bekannt, z.B. dass er mit vier Ordensschwestern und den beiden Papstsekretären die „Päpstliche Familie“ bildet. Diese Sieben essen gemeinsam, der Papst sieht mit den Sekretären fern, und sie schauen sich auch mal eine DVD an - am liebsten Don Camillo und Peppone. Was mir persönlich neu war: Benedikt sagt in dem Buch, dass der Punkt kommen kann, an dem ein Papst das Recht und vielleicht sogar die Pflicht hat zurückzutreten, wenn er körperlich und geistig nicht mehr in der Lage ist, sein Amt auszuüben – das hat er so deutlich noch nicht gesagt seit er Kirchenoberhaupt ist.

Ist er gerne Papst?

Ich würde eher sagen, er hat sich in sein Schicksal gefügt und – in seinen Worten – in den Willen Gottes. Manchmal empfindet er das Amt durchaus als Bürde, als Anstrengung, die er nur mit Gottes Hilfe bewältigen kann. Benedikt macht auch kein Geheimnis daraus, dass er im Grunde seines Herzens lieber Professor geblieben wäre. Stattdessen wurde er erst Bischof, dann Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation und am Ende sogar Papst – also für ihn alles andere als eine Traumkarriere. Er hat es getan, weil er sein Leben Gott zur Verfügung stellen wollte.

Und das wichtigstes Thema?

Was immer wieder durchscheint: Der Papst hält die westlichen Gesellschaften für reichlich verblendet und verwirrt. Die Menschen könnten nicht mehr zwischen gut und böse unterscheiden, zwischen richtig und falsch. Die moralischen und ethischen Maßstäbe seien verloren gegangen, jeder denke nur an sich. Das alles könne nur besser werden, wenn die Menschen wieder lernen, von Christus her zu leben und zu glauben. Seine Hoffnung setzt der Papst in diesem Zusammenhang auf die Menschen außerhalb Europas, in Europa sieht er eher zerstörerische Kräfte am Werk.

Wie kritisch fragt Peter Seewald den Papst?

Um es salopp zu formulieren: Peter Seewald schmiert dem Papst erst mal ziemlich viel Honig um den Bart und hängt danach unter Umständen noch eine halbwegs kritische Frage dran. Ich möchte gar nicht behaupten, dass Seewald dem Papst überwiegend nach dem Mund redet – ich glaube, er verstellt sich gar nicht, er denkt und tickt eben ganz ähnlich wie der Papst.

Letzte Änderung am: 23.11.2010, 14.46 Uhr

Der SWR ist Mitglied der ARD 

Sitemap | Impressum | Datenschutz | © SWR