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Gute Reise KGB-Museum in Tallinn

aus der Sendung vom Mittwoch, 8.2. | 17.05 Uhr | SWR Fernsehen

Nach dem Zweiten Weltkrieg schikanierte die Sowjetunion Estland schwer. Es gab Repressalien und Deportationen von so genannten "Volksfeinden". Um den feindlichen Westen auszuspionieren, wurde in der Hauptstadt Tallinn ein gut funktionierendes sowjetisches Spionagenetz entwickelt. Für einige vielleicht etwas makaber, aber: Touristen können heute Erlebnistouren auf den Spuren des sowjetischen Geheimdienstes bestreiten.

Karte Talinn

Estland ist der nördlichste Staat der drei baltischen Länder. Ein Teil des Landes gehörte bis 1918 zum Russischen Reich, und 1940 wurde dann ganz Estland mit Lettland und Litauen  von der Sowjetunion annektiert. Seit 1992 ist Estland unabhängig und richtet sich weitgehend westlich aus.


Hochhaushotel "Viru"

In den 1970er und 1980er Jahren war der sowjetische Geheimdienst in der estischen Hauptstadt Tallinn sehr aktiv. Im Zentrum dieser Aktivitäten stand das Hochhaushotel „Viru“. Zu Sowjetzeiten war es ausländischen Gästen vorbehalten, ein idealer Ort für Spionage. Bis zum 22. Stock führt der Fahrstuhl, dann geht es zu Fuß weiter. Durch Tore und Türen geht es in Stock Nummer 23. Hier hatte die KGB-Abteilung Nr. 1 ihren Sitz, fing Funknachrichten aus Skandinavien auf und leitete sie nach Moskau in die KGB-Zentrale weiter. 1991 verschwanden die Agenten in einer Nacht- und Nebelaktion. Nicht nur nach außen spionierte der KGB vom Hotel „Viru“ aus. Viele Zimmer des Hotels waren verwanzt. Besonders skurril sind Exponate, wie zum Beispiel mit explodierenden Farbkapseln präparierte Portemonnaies. Diese wurden als Köder für die Hotelangestellten ausgelegt. Wer es öffnete, statt es nach Vorschrift dem KGB zu übergeben, wurde mit Farbe markiert und entlassen. Zur Überwachung im Hotel trugen auch 80 Damen bei. Sie notierten alles: Welcher Gast sich mit wem traf, welche Taschen sie dabei hatten. Nach der Unabhängigkeit Estlands 1992 verschwanden die diskreten Damen aus den Hotelgängen und zwei Jahre später übernahmen finnische Investoren das Kommando. Seit Anfang 2011 hat das KGB-Museum im Hotel „Viru“ geöffnet. Viele ausländische wie estnische Besucher kommen und staunen über diese Vergangenheit.



Das Gefängnis Patarei

Nur wenige Minuten nördlich von Tallinns Altstadt gibt es noch einen Ort der Erinnerung: das berüchtigte Gefängnis Patarei. Zu Sowjetzeiten wurden hier noch Verbrecher und politische Widerstandskämpfer unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt. 1991 fand die letzte Erschießung statt. Bis 2003 war das Gefängnis noch in Betrieb. Heute lassen sich vor allem Touristen aus Finnland, aber auch Esten bei so genannten Erlebnistouren als Häftlinge schikanieren. Eine etwas eigenwillige Art der Geschichtsbewältigung, die helfen soll, das  Erbe von KGB und Sowjetunion in Estland nicht ganz zu vergessen.



Adresse:

Touristenbüro Estland

Mönckebergstraße 5

D-20095 Hamburg

Tel.: +49/40/303 878 99

Internet:
www.visitestonia.com/de/

Letzte Änderung am: 07.02.2012, 15.57 Uhr

Sendezeit Montags bis freitags

16.05 Uhr bis 18.00 Uhr im SWR Fernsehen

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