aus der Sendung vom Mittwoch, 28.9.2011 | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen

Zinnien (Zinnia)
Der klassische deutsche Garten in den 70er-Jahren war aus heutiger Perspektive ein toter Raum ohne große Sorten- und Artenvielfalt. Er war geprägt von dichten Nadelbaumhecken als Abgrenzung und Sichtschutz, einem perfekten Rasen sowie Zinnien und Tagetes. Die Düngung mit Blaukorn war normal und Pflanzenschutzmitteln, die heute längst verboten sind, wurden massenweise eingesetzt.
Die Gartengestaltung der 70er-Jahre in Deutschland nahm viele Impulse aus den USA auf. Der Gemüsegarten, der die Deutschen noch wenige Jahre zuvor ernährt hatte, galt als Zeichen von Armut. Und der Reihenhausbesitzer hatte es ja geschafft, machte sich die Hände also nicht mehr schmutzig und kaufte fortan sein Gemüse im Supermarkt. Der Garten wurde zum durchgestylten Freizeitraum mit Hollywoodschaukel, Swimmingpool und Barbecue. Saubere Rasenkanten waren wichtig und so wenig Arbeit wie möglich. Die Gartenwege bestanden – je nach Geldbeutel - aus Waschbeton oder Travertin, der an den Urlaub in Spanien erinnern sollte. Die 70er-Jahre waren im Garten also eher ein Jahrzehnt der Sortenarmut, der chemischen Keule und unökologischen und wenig nachhaltigen Denkens. In der Gewissheit diese Phase überwunden zu haben schauen wir neugierig in diese Zeit zurück.
Expertin im Studio:
Gartenbauingenieurin
Letzte Änderung am: 19.08.2011, 23.31 Uhr