Haushalts-Tipp
Verwendung von destilliertem Wasser im Haushalt
aus der Sendung vom Mittwoch, 25.1. | 17.05 Uhr | SWR Fernsehen
Destilliertes Wasser ist beispielsweise Regenwasser. Aber auch im Haushalt fällt destilliertes Wasser an und zwar bei manchen modernen Heizanlagen. Ebenso bei elektrischen Luftentfeuchtern sowie das Kondenswasser aus dem Wäschetrockner. Auch dieses nebenbei anfallende Wasser lässt sich im Haushalt vielfältig verwenden – es ist viel zu schade um nur durch den Abfluss zu wandern. Sie können destilliertes Wasser natürlich auch kaufen. Wie Sie es einsetzen können - ob gekauft oder im eigenen Haushalt gewonnen, darum geht es uns heute.
Beim Einkauf von destilliertem Wasser ist Ihnen wahrscheinlich schon der Begriff „Entmineralisiert" aufgefallen. Dieses Wasser wird durch ein physikalisches Verfahren, die Umkehrosmose entsalzt, indem auf normales Leitungswasser in einer Membran Druck ausgeübt wird. Die Membran lässt nur die Wassermoleküle durch, aber keine sonstigen im Wasser gelösten Stoffe und Ionen. Dieses Wasser ist deshalb arm an gelösten Inhaltsstoffen.
In vielen Haushalten fallen ohne zusätzliche Kosten regelmäßig größere Mengen destilliertes Wasser an. So ist das Wasser aus dem Kondenstrockner durchaus echtes destilliertes Wasser. Die Feuchtigkeit der Wäsche wird durch erwärmte Luft als Dampf ausgeheizt und nach Kondensation an den Kondensatorlamellen sammeln sich im Wasserbehälter 1-2 Liter Wasser an, je nach Programm, Wäscheart und Schleuderzahl. Allerdings kann dieses Wasser manchmal einige Flusen enthalten oder es riecht etwas parfümiert, was an den Parfümstoffen im Waschmittel liegt. Gedanken ob Weichspülerreste in dem Wasser enthalten sind, braucht man sich nicht zu machen, das sind sie nicht. Aber bei weichgespülter Wäsche ist der Parfümgehalt höher. Tatsächlich enthaltene Flusen können durch Filtrieren durch einen Kaffeefilter entfernt werden.
Vergleichbar mit dem Kondenswasser aus dem Wäschetrockner ist das anfallende Wasser aus elektrischen Luftentfeuchtern.
Vorteile:
- Entmineralisiertes Wasser hat eine bessere Reinigungskraft. Es ist verarmt an Inhaltsstoffen, weshalb es gierig versucht, den Schmutz zu umspülen, zu lösen oder zu binden – auch ohne oder nur mit ganz wenig Reinigungsmittel.
- Demineralisiertes Wasser ist ganz weiches Wasser, es ist frei von Kalk aufbauenden Ca- und Mg-Ionen. Deshalb trocknen die damit gereinigten Flächen ohne Kalkschleier und ohne Kalkseifenreste ab. Diese Rückstände sind aber neben den Reinigungsmittelrückständen die Hauptursache für die Wiederverschmutzung von Oberflächen. Der Schmutz kann auf rückstandsfreien Flächen weniger haften bleiben. Mit destilliertem Wasser gewischte Flächen sehen also nicht nur sauberer aus, sie bleiben auch länger sauber. Deshalb werden heute viele Hochglanzfassaden bereits professionell mit Osmosewasser gereinigt.
Nachteile:
- Destilliertes Wasser kann auch schaden, denn das „leere“ Wasser kann CO2 aus der Luft binden, es bildet sich Kohlensäure. Der pH-Wert verschiebt sich nach schwach sauer und das Wasser wirkt dadurch stärker korrosiv, manchmal wird es deshalb auch als aggressiv bezeichnet. Es darf deshalb in vielen Geräten wie Dampfbügeleisen oder Dampfgarer nie ausschließlich verwendet werden. Achten Sie unbedingt auf die Empfehlungen der Hersteller.
- Destilliertes Wasser kann manche Dichtungsmaterialien angreifen und auslaugen, so dass sie spröde werden. Z.B. kann die immer wieder beklagte Tropfenbildung (rostiges Wasser!) bei Dampfbügeleisen durch destilliertes Wasser ausgelöst werden und das bereits nach kurzer Verwendungsdauer. Das destillierte Wasser kann das Metall der Bügelsohle oder die Dichtungen angreifen. Mischen Sie für ein verlängertes Bügeleisenleben einfach Ihr Leitungswasser mit destilliertem Wasser auf eine Wasserhärte von 5 - 7°dH aus. Das lohnt sich, es kommt zu keinen Korrosionen aber auch zu keiner Verkalkung.
Verwendung:
- Feuchten Sie bei der Entfernung von Flecken mit Wasser oder beim Einsatz von wasserlöslichen Fleckenentfernern den Flecken mit destilliertem Wasser an. Das hilft bei der Fleckentfernung.
- Beim Abreiben von Polstern aus Leder oder Mikrofaserstoffen wird das Ergebnis sichtbar besser, wenn Sie mit destilliertem Wasser statt hartem Leitungswasser arbeiten. Es gibt weniger Wasserränder und gerade bei Mikrofasern bleiben keine Kalkreste an den feinen Fasern hängen, denn die verstärken anschließend die Allgemeinverschmutzung der Polster. Bei stark verschmutzten Mikrofasern können Sie das Wasser zusätzlich noch etwas erwärmen.
- Verdünnen Sie zum Wischen von Fenstern, Spiegeln, Laminaten, Hochglanzflächen oder glänzenden Steinböden das Wischwasser mit Wasser aus dem Kondenstrockner. Sie können ganz ohne oder mit viel weniger Reinigungsmittel arbeiten und erhalten dadurch viel weniger Rückstände und Putzstreifen. Wenn Sie aber Flächen wie Linoleum, saugfähige Terracottaböden oder weichere Natursteine wie Marmor bewusst mit Seifenreiniger pflegen wollen, brauchen Sie hartes Leitungswasser. Denn Kalkseifen haben durchaus eine schützende Wirkung für diese Böden. Bei Verwendung von Kondenswasser würde die Wirkung nicht eintreten.
- Wer Kondenswasser übrig hat, dem empfehle ich grundsätzlich, die Reste in die Waschmaschine zu füllen. Füllen Sie zunächst die Wäsche in die Maschine und dann entleeren Sie den Sammelbehälter des Kondenstrockners. Sie können dann die Waschmittelmenge reduzieren, die Wäsche wird trotzdem sehr sauber und vor allem kommt sie sehr weich aus der Maschine. Die volle Waschkraft des Waschmittels steht der Wäsche zur Verfügung. Den besten Effekt erzielen Sie bei den modernen Maschinen mit Mengenautomatik, die immer nur so viel Wasser holen, wie notwendig ist. Ich selbst sammle das Wasser bis zu drei Tage im Sammelbehälter, denn ich setze es bevorzugt für Wolle und Funktionswäsche ein. Bei dieser Wäscheart registriere ich die größten Unterschiede gegenüber dem Waschen mit Leitungswasser. Innerhalb dieser drei Tage tritt keine starke Verkeimung im Sammelbehälter ein.
- Falls Sie einen Ultraschall-Luftbefeuchter betreiben und sich trotz Entkalkungskassette ein weißer Belag im Raum bildet, dann sollten Sie destilliertes Wasser nehmen.
- Verwenden Sie das Wasser nicht zum Blumengießen, es sei denn, Sie geben ständig Mineralien über das Düngemittel zu. Sehr günstig ist aber, das destillierte Wasser zum Besprühen der Pflanzen z.B. bei Orchideen. Sie erhalten dann weder auf den Pflanzen noch auf den Fensterscheiben weiße Kalkflecken.
Expertin im Studio:
Silvia Frank
Netzwerk Haushalt