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Eine Frau betrachtet sich Traurig in einem Spiegel

SENDETERMIN Mi, 19.8.2015 | 16:05 Uhr | SWR Fernsehen

Besser Leben Der innere Kritiker

Vor wichtigen Entscheidungen, beim Blick in den Spiegel, auf der Arbeit: Viele Menschen werden bei allem, was sie tun, von ihrem inneren Kritiker begleitet und bewertet. Er gibt nie Ruhe und ist erbarmungslos. Seine Kritik nervt, hemmt und führt dazu, dass sich Menschen schlecht fühlen. Diese Feindschaft zum inneren Kritiker kann man in eine Freundschaft verwandeln. Wie das geht, weiß Sybille Ebert-Wittich, Psychotherapeutin aus Boppard.

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Einen guten Ort im Körper finden

Sie hören hier eine Focusing - Anleitung (Länge ca. 5 Min.), wie Sie einen guten, angenehmen Ort im Körper finden und dort verweilen können. Wenn Sie sich gleich auf diesem Körperort focussieren, werden Sie zunächst mit einer angenehmen Atmosphäre in Kontakt kommen, die sich dann in Worten, inneren Bildern und positiven Gefühlen ausgestaltet.

Die Übung hilft dabei, inneren Freiraum zu gewinnen und etwas in sich selbst zu finden, das gegenwärtig bereits in Ordnung ist und sich unbelastet anfühlt. Das kann wie eine körperlich spürbare Ressource wirken auch bei emotionalen und körperlichen Belastungen.

Wenn Sie diese Übung wiederholen und sich überraschen lassen, zu welchem Körperort Sie Ihr inneres Wissen führt, werden Sie bemerken, dass jeder neue gute Körperort Sie etwas spezifisches Wohltuendes erleben läßt, das oft erstaunlich gut zu dem passt, was Sie gerade jetzt in Ihrem Leben brauchen könnten.

...neugierig geworden? Dann viel Freude damit!


Zum Hintergrund:

Die Übung basiert auf Focusing nach Gendlin, einer Methode der Selbstentwicklung, mit der man genau den Ort im Körper finden kann, von dem aus sich etwas verändert und Neues entsteht. 

Man kann vieles über ein Problem, eine Situation, Person, Idee oder ein Vorhaben denken, immer bildet sich gleichzeitig noch ein spezifisches körperliches Empfinden dazu, das zeigt, wo und wie das konkrete Problem oder Thema jetzt im Körper gelebt wird. Diese zunächst zarte und wortlose Resonanz (felt sense) hat immer irgendeine Bedeutung dabei, die man noch nicht kennt. Sie taucht auf, wenn man nach innen fragt "Wie fühlt sich das .... als Ganzes jetzt hier im Körper an?", anstatt sich in altbekannten Gedanken und Gefühlen zu verlieren.

Focusing ist die Zeit (ein oder mehrere Minuten), die ich damit verbringe, spürend, mit Interesse und in der Haltung des Nicht-Wissens diesem Etwas in mir freundlich Gesellschaft zu leisten und dabei alle kleinen neuen Schritte der Öffnung zu begrüßen und willkommen zu heißen. Es tauchen dann Worte, Gefühle, innere Bilder oder Handlungsimpulse auf, die die Körperempfindung in ihrer Bedeutung passend ausdrücken und weiterführen zu einem veränderten körperlichen Sein (felt shift).

Die neue Erkenntnisse und das liebevolle Verstehen der eigenen Person durch Focusingprozesse wirkt besonders befreiend, wenn es um den "inneren Kritiker" geht. Im Inner Relationship Focusing wird er als ein innerer Teil betrachtet, der die Person angreift, abwertet und perfektionieren will ("du musst immer ... du darfst nie ... du hättest damals ...du bist ...), weil er besorgt ist oder Angst hat, was der Person Schlimmes geschehen könnte, wenn er sie  nicht "auf der alten Spur hält."

Der innere Kritiker ist in der Kindheit entstanden als Beschützer ("besser bin ich hart zu dir, als dass du von außen verletzt oder abgelehnt wirst"). Der erste Schritt ist, sich nicht mit ihm zu identifizieren (nicht "ich mache mir Vorwürfe"), sondern ihn als "Etwas in mir" zu begrüßen, das mit seiner Sorge gehört und aus der eigenen Lebensgeschichte genau verstanden werden möchte. Wichtig ist auch, ihn nicht als Experten für das heutige Leben zu betrachten, sondern als Teil, der etwas von damals weiß.

Im Zustand von Selbstpräsenz, in den man mit einiger Übung körperlich hineinfinden kann, wendet man sich dann nacheinander den auftauchenden inneren Teilen mit Interesse und vorurteilslos zu - auch dem "inneren Kind", das sich meist schlecht, schuldig oder beschämt fühlt, wenn ein "unerlöster innerer Kritiker" es angreift. 

Im Focusing werden diese inneren Teile übrigens nicht als feststehende überdauernde Figuren betrachtet. Vielmehr können sie sich durch das Gehört- und Angenommensein in der Beziehung mit dem größeren präsenten Selbst auflösen. Ihre "Energie fließt" dann zum Selbst/ Ich zurück, zu dem inneren Ort, an dem man als heutiger Erwachsener stimmige Antworten zu den konkreten Lebenssituationen spüren kann.


Quelle: Sybille Ebert-Wittich, Psychotherapeutin

aus der Sendung vom

Mi, 19.8.2015 | 16:05 Uhr

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