aus der Sendung vom Dienstag, 7.2. | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen

Träumen vom Urlaub
Als "Königsweg zum Unbewussten" hat Sigmund Freud den Wert von Träumen begriffen. Dass es sich bei unseren Träumen aber ausschließlich um verdrängte sexuelle Phantasien handeln soll, wie Freud das vertreten hat, ist inzwischen in der Wissenschaft nicht mehr haltbar. Vielmehr sind sich Schlafforscher, Psychologen und Hirnforscher darin einig, dass im Traum Gedächtnis- und Lernprozesse aktiviert sind und vor allem das emotionale Erleben und Verarbeiten eine große Rolle spielt. Mit diesem Hintergrund können Träume und das Reflektieren über unsere Träume dabei helfen, das Selbst besser kennen zu lernen, mit der eigenen Kreativität und neuen unbewussten Lösungsmöglichkeiten in Berührung zu kommen und dadurch auch Klarheit und Handlungsimpulse in Krisensituationen zu erhalten.
Eine Methode wird immer wieder empfohlen: Das Führen eines sogenannten Traumtagebuchs. So lassen sich wiederkehrende Träume und Bilder ausfindig machen und mit der Zeit die aktuellen Haupthemen im Leben erkennen. Um aber überhaupt einen geträumten Traum notieren zu können, bedarf es der Erinnerung. Dafür gilt die Empfehlung, mit dem Aufwachen erst mal noch im Bett liegen zu bleiben und gleich sich das Geträumte bewusst zu machen und am besten mit einem Titel zu versehen. So bleibt der Traum im Gedächtnis.
Was der Traum genau bedeutet bleibt immer ein subjektives Rätsel. Träume liefern keine Patentrezepte, aber sie geben Hinweise, die uns helfen können unseren Alltag besser zu bewältigen und zu gestalten. Der Traum gilt sozusagen als Fortsetzung des Alltags. Im Traum ist es uns erlaubt mit konventionellen Regeln zu spielen, Grenzen zu überschreiten und andere Lösungen auszuprobieren. So können Träume zu bedeutenden Inhalten, Lebensereignissen, Verhaltensweisen und Zusammenhängen zum Verstehen führen. Damit können Träume helfen uns weiter zu entwickeln. Davon sind viele Wissenschaftler inzwischen überzeugt. Mit modernen bildgebenden Verfahren können sie die Aktivität der Zentren im Gehirn für Emotionen und Gedächtnis nachweisen. Wie und was wir aus unseren Träumen lernen, bleibt aber uns selbst überlassen.
Experte im Studio:
Psychologe
Letzte Änderung am: 30.12.2011, 23.17 Uhr