aus der Sendung vom Mittwoch, 1.2. | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen

Männer werden heute älter denn je, trotzdem haben sie noch immer eine niedrigere Lebenserwartung als Frauen, das ist bekannt. Als eine der Ursachen wird immer genannt, dass Männer nie oder erst, wenn es "zu spät" ist, zum Arzt gehen.
Sicher ist, dass Männer ein anderes Vorsorgeverhalten haben als Frauen. Während es für Frauen selbstverständlich ist, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, ist dies für Männer ein Tabuthema.
Ob dies die Unterschiede in der Lebenserwartung allein erklärt, ist allerdings umstritten. In diesem Zusammenhang spielen typisch männliche Denkmuster eine große Rolle: "Mann ist nicht krank", "Männer zeigen keine Schwäche", "Männer brauchen keinen (ärztlichen) Rat!".
Zu diesen Denkmustern gehört fatalerweise auch, Frühsymptome einer Erkrankung nicht wahrzunehmen, weil man(n) sie nicht wahrhaben will - "Was nicht sein darf, das ist auch nicht!" Symptome werden verdrängt!
Viele epidemiologische Daten zeigen zudem weitere Verhaltensaspekte, die die Gesundheit von Männern erheblich negativ beeinflussen können. Ein Beispiel dafür ist eine erhöhte Risikobereitschaft beim Sport oder beim Auto fahren.
Der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen bei uns beträgt etwa 6 Jahre; Frauen werden im Schnitt 80 Jahre alt, Männer etwa 74 Jahre.
Männer haben jahrelang Ärzte nur zur Korrektur von konkreten Problemen aufgesucht und die Medizin hat den Mann auch nicht in seiner Ganzheit als Patienten gesehen. In den letzten Jahren zeigt sich aber eine erfreulich Entwicklung: Männer werden mit ihren Problemen angehört. Männer finden zunehmend kompetente Gesprächspartner, die sie in der Vorsorge und Vorbeugung von Erkrankungen unterstützen. Das zeigt sich auch in der Einführung der von den Kassen anerkannten Zusatzbezeichnung "Männerarzt". Diese können Fachärzte seit 2004 nach entsprechender Ausbildung erwerben.
Inzwischen gibt es auch einen Lehrstuhl für Männergesundheit (Prof. Sommer) an der Urologischen Klinik der Universität Hamburg. Zudem können Fachärzte für Urologie, Dermatologie und Innere Medizin in Baden Württemberg ab 2007 nach entsprechendem Qualifikationsnachweis die Zusatzbezeichnung "Androloge" erwerben.
Noch liegen bei Männern die Herz- Kreislauferkrankungen klar an der Spitze.
Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist das Prostatakarzinom mit etwa 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr, hinsichtlich der Todesrate aber noch übertroffen von Darmkrebs und Lungenkarzinom (mit leicht fallender Tendenz).
Die Problematik, die beim Urologen am häufigsten geäußert wird, sind Beschwerden beim Wasserlassen. Dies steht meist im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung, die etwa 70 % der Männer betrifft !
Eine deutliche Zunahme ist bei den Erektionsstörungen zu verzeichnen, hier besteht bei Männern über 45 Jahre oft ein direkter Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes Mellitus.
Aber auch der Erwartungsdruck, "Mann kann immer", führt zu Problemen.
Erektionsstörungen können zudem ein Hinweis auf Herz-Kreislauflauf-Erkrankungen und Diabetes Mellitus sein. Als Frühsymptom zeigen sie sich etwa 3 Jahre vor Auftreten dieser Erkrankungen.
Bei jüngeren Männern hingegen findet man häufig einen Zusammenhang von Erektionsstörungen mit hohen beruflichen Belastungen und Konflikten in der Partnerschaft.
Ein großes Problem sind auch psychische Erkrankungen beim Mann. Die Tatsache, dass Männer selten über seelische Probleme reden, steht in auffälligem Widerspruch zu der Tatsache, dass psychische Ursachen an dritter Stelle der Diagnosen zur Frühberentung stehen.
Beim Mann kommt es bereits ab einem Alter von 35 Jahren zu einem kontinuierlichen Abfall des männlichen Keimdrüsen-Hormons Testosteron. Die damit verbundenen Symptome können sehr vielfältig sein: sie reichen von Hitzewallungen über deutlichen Leistungsverlust, Probleme beim Wasser lassen bis hin zu schweren Depressionen.
Generell sollte der Männerarzt den Mann auf etwaige Symptome ansprechen und den Testosteronwert bestimmen lassen.
Zur Zeit unterscheidet man zwischen 2 Formen der Vorsorge.
Der Gesundheits-Check ab 35 beinhaltet nach dem Vorgespräch mit dem Arzt (Anamnese) das Abhorchen von Herz und Lunge, Blutdruckmessung, das Abtasten des Bauchraumes, Inspektion der Haut, eine Urinuntersuchung und Laboruntersuchung auf Zucker und Cholesterin
Die Krebsvorsorgeuntersuchung ab 45 wird jährlich angeraten. Hierbei wird der Bauchraum, die wichtigen Lymphknotenstationen, das äußere Genitale sowie der Enddarm und die Prostata abgetastet. Zudem wird die Haut untersucht. Dazu wird der Blutdruck und das Gewicht gemessen.
Experte im Studio:
Uruloge & Männerarzt aus Freiburg
Letzte Änderung am: 23.12.2011, 23.15 Uhr