aus der Sendung vom Donnerstag, 19.1. | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen

Schauen wir die Bestsellerliste der vergangenen Jahre durch dann tauchen da immer wieder Erziehungsratgeber an der Spitze auf, die mehr Disziplin und strenge Regeln fordern. Also Literatur, die Seiten füllt mit Vorschlägen und Tipps und dem Lob der Disziplin. Aber wie sieht es im tatsächlichen Leben aus? Wie leben Familien, wie wachsen Kinder auf? Welche Bedürfnisse haben kleine, wie große Menschen um sich in dieser Welt und in ihrem Alltagsleben orientieren und leben zu können?
Die Fähigkeit soziale Beziehungen eingehen und führen zu können, gilt als eine der wichtigsten Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben. Kinder brauchen dafür Vorbilder, von denen sie das lernen und abgucken können - soziale Beziehungen erleben dürfen, die von Achtung, Respekt und einem liebevollen Umgang geprägt sind. Entscheidend ist weniger wie viel Zeit Eltern mit ihren Kindern verbringen, als viel mehr die Qualität und das Interesse füreinander. In Beziehung zu seinem Kind zu stehen bedeutet das Interesse gegenüber dem Kind spüren lasssen, Augen auf, hinschauen, nachfragen, gemeinsame Unternehmungen, gemeinsame Erlebnisse. Dafür braucht es weniger einen dicken Geldbeutel, sondern ein paar Ideen, was gemeinsam Spaß macht: Ein Fahrrad reparieren, eine Fahrradtour, gemeinsam kochen, schwimmen, an die frische Luft gehen, lesen, spielen, entdecken, erkunden, miteinander reden....
Viele Eltern, Lehrer und Erzieher finden sich in einem Durcheinander von Anforderungen und Überforderungen wieder. Wenn den Erwachsenen Sicherheit und Halt fehlt, geben sie genau diesen Mangel meist unbewusst weiter. Aus Angst, schlechte Eltern zu sein, resultieren schnell Strenge und autoritäres Verhalten das für Kinder völlig irritierend ist und wieder Angst auslöst. Ganz anders kann es laufen, wenn Eltern ihre Angst auch mal offen zeigen, dann lernen Kinder, dass es erlaubt ist Angst zu haben und sie können sich für neue Erfahrungen öffnen. Ansonsten könne Ängste wie eine Blockade wirken.
Aus der Hirn- und Lernforschung ist inzwischen bekannt, dass der Mensch im Zustand von Angst wenig bis nichts lernen kann. Die besten Lerneffekte schaffen wir dann, wenn wir mit Neugierde und Begeisterung Neues entdecken und ausprobieren können. Dieses Prinzip gilt im sozialen und im schulischen Lebensraum. So sollte die Zielsetzung für Familien und Schulen derart sein, dass wir uns um Möglichkeiten und Platz für eine Atmosphäre der Wertschätzung einsetzen.
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Professor für Pädagogik an der Universität Kaiserslautern
Letzte Änderung am: 09.12.2011, 23.16 Uhr
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