aus der Sendung vom Montag, 17.10.2011 | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen
Die Glasperle gehört zu den ältesten Schmuckstücken der Menschheit. Neben den einfachen urgeschichtlichen Exemplaren existiert ein sehr breites und vielfältiges Spektrum an Perlen aus den Epochen der Frühgeschichte.
Bereits um 3500 v. Chr. wurde in Ägypten und Mesopotamien das erste Glas erzeugt. Phönizische Händler brachten ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. Rohglas und Glasprodukte über den Seeweg nach ganz Europa. Ab der Bronzezeit wurde auch in Europa Glas zu Perlen, Schmuck und anderen Gebrauchsgegenständen verarbeitet.
Die Möglichkeit, Metall herzustellen, zu schmelzen, mit Gussformen zu gießen, war schon sehr früh, weit vor Christi Geburt bekannt. Möglicherweise, das kann aber bisher nicht durch Funde belegt werden, entstand bei einem Metall-Schmelzvorgang in einem Ofen durch das Vorhandensein der Glasrohstoffe (Quarzsand, Pottasche, Natriumkarbonat, Feldspat) mehr oder weniger zufällig auch Glas.
Die Glasperlen als einfache Glasprodukte wurden zu einer begehrten Handelsware und breiteten sich schnell über ganz Europa aus. Über Jahrhunderte waren Glasperlen ein beliebtes Zahlungsmittel im Tauschhandel mit Gold, Elfenbein, Seide und Gewürzen. Glasperlen aus Venedig sind die bekanntesten und begehrtesten Perlen der Welt. Venezianische Glaskünstler haben während mehrerer Jahrhunderte Perlenhersteller auf der ganzen Welt beeinflusst. Dort werden die Glasperlen über offener Flamme hergestellt. Es ist ein sehr zeitaufwendiges Verfahren, da jede Perle einzeln gefertigt wird. Ein Glasstab wird unter der Verwendung einer Lötlampe bis zum Schmelzen erhitzt und um einen Metallstab gewickelt, bis die gewünschte Perlenform erreicht wird. Auf diese Grundperle können nach und nach weitere Glasfarben aufgeschmolzen werden und unterschiedliche Dekorationselemente, wie dünne Glasfäden oder hauchdünne Glasplättchen, aufgebracht werden. Dann wird die Perle sehr langsam abgekühlt und von der Stange entfernt, wodurch ein Loch entsteht, durch das die Perle später aufgefädelt werden kann.
Anhand von Funden kann man ungefähr rekonstruieren, wie ein solcher keltischer Brennofen ausgesehen hat. Aber auch an offenen Erdessen, die mit Holz-Kohle befeuert und mit Blasebälgen auf hohe Temperaturen gebracht wurden, konnten Glasperlen hergestellt werden.
Heutzutage geschieht die künstlerische Glasperlenherstellung natürlich mithilfe eines Gasbrenners, mit dem Glasstäbe recht einfach zu Glasperlen geschmolzen und dann mit farbeigen Gläsern verziert werden können..
Experte im Studio:
Glaskünstler
Letzte Änderung am: 09.09.2011, 23.29 Uhr