aus der Sendung vom Donnerstag, 6.10.2011 | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen
Worte sind fast ganz zu vernachlässigen – 93 Prozent der Kommunikation läuft über unsere Körpersprache. Die oft beliebten endlosen Diskussionen können wir uns so gesehen sparen. Bei Kaffee oder Tee erzählt die Therapeutin Patricia Möckel, wie wir uns mit unserem Körper klar ausdrücken und gegenseitig verstehen können.

Wir wollen alle wirken und uns ausdrücken können. Das ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen.
Von Paul Watzlawik stammt die Aussage: Wir können nicht Nicht-Kommunizieren.
Kommunikation setzt sich aus 48 Prozent Gestik und Mimik, 45 Prozent Stimme und nur aus 7 Prozent Worten zusammen.
Das bedeutet: wie wir etwas sagen und wie wir dabei aussehen, ist viel wichtiger, als was wir sagen. Zumindest für den ersten Eindruck.
Unsere Wortsprache, also die Verständigung über abstrakte Inhalte, ist erst etwa 10.000 Jahre alt. In dieser Zeit ließen sich unsere Vorfahren, die bislang als Nomaden unterwegs waren als Ackerbauern und Viehzüchter nieder, sie wurden sesshaft. Und sie lebten in Stammesgesellschaften zusammen. Da brauchte man soziale Verständigungsmöglichkeiten. Dafür wurde die Körpersprache abstrahiert.
Die deutsche Sprache ist da sehr schön deutlich, denn die Bedeutung der Körpersprache finden wir noch überall in unserer Wortsprache:
Ein aufrechter Mensch, schwere Bürde tragen, der ist aufgeblasen, ablehnen (wir lehnen den Oberkörper weg), handeln (mit den Händen), hier läuft nichts, ein großzügiges Entgegenkommen, das berührt mich, ein umwerfender Typ, oder ein haarstäubender …
Wobei Worte abstrakt sind. Erst durch Betonung und Stimmgebung bekommen die Worte ihren Ausdruckswert und die Körpersprache vervollständigt ihn. Und auch der Kontext, der Zusammenhang, in dem Worte gesprochen werden, ist wichtig.
"Geh du nur, ich komme schon alleine zurecht". Dieser Satz kann sehr unterschiedlich verstanden werden …
Wenn wir einem Gespräch in einer Sprache zuhören, die wir nicht kennen, können wir über Tempo, Stimmhöhe, Lautstärke, Artikulation, Sprechrhythmus und Sprachmelodie sehr schnell erkennen, ob die beiden sich streiten oder sich nett unterhalten, ob jemand fröhlich plaudert, predigt oder schimpft.
Und wir merken genauso schnell, wenn jemand mit uns spricht, ob Körpersprache und Inhalt übereinstimmen. Nur dann hat das Gesagte "Hand und Fuß". Wobei die Körpersprache immer wahrheitsgemäßer ist. Wir glauben ihr automatisch eher. Mit Worten ist Lügen relativ leicht, mit dem Körper verdammt schwer. Da müssen wir schon wirklich gute Schauspieler sein.
Zwischen Mimik und Gestik gibt es einen großen Unterschied. Mimik drückt Gefühle aus und ist bei allen Menschen gleich.
Unsere seelischen Vorgänge sind so eng mit dem Körperausdruck verbunden, dass das eine nicht vom andern zu trennen ist. Bei Freude, Trauer, Überraschung, Furcht, Zorn, Kummer, Ekel, Verachtung und Scham werden weltweit die gleichen Muskeln bewegt.
Mimik kann man lernen. Sie können lernen, ihr Gesicht zu beherrschen. Falls Sie vorhaben, als professionelle Pokerspielerin Karriere zu machen, wäre das wichtig. Viel schwerer ist das allerdings mit dem Körper. Je weiter weg vom Gesicht der Körper etwas ausdrückt, umso schwerer ist es zu beherrschen und zu kontrollieren.
Kommunikationsberaterin
Letzte Änderung am: 26.08.2011, 23.31 Uhr