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Altes Handwerk Uhrenbauer Jochen Benzinger

aus der Sendung vom Montag, 29.8.2011 | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen

Uhr im E-Werk

Schon in seiner Lehrzeit als Graveur fühlte sich Jochen Benzinger zu den Arbeiten der Uhrenkünstler aus dem 18. und 19 Jahrhundert hingezogen. Insbesondere die alte Kunst des Guillochierens hatte es ihm angetan. Das Guillochieren entwickelte sich aus dem "königlichen Handwerk" des Kunstdrechselns, in dem im 16. bis 18. Jahrhundert vom Kaiser bis zum Landgrafen fast die gesamte Hocharistokratie ausgebildet wurde. Denn dieses Handwerk versinnbildlichte deutlicher als jedes andere das damalige Weltbild, in dem sich alles um den Souverän dreht – oder zu drehen hatte.

Aus diesen fürstlichen Drechselmaschinen entwickelten die Uhrenkünstler des 18. und 19. Jahrhunderts die schönen Guillochiermaschinen, mit denen beispielsweise einer der berühmtesten Uhrmacher Abraham-Louis Breguet im 18. Jahrhundert seine einzigartigen, typischen Zifferblätter geschnitten hat.

Neben dem Guillochieren, oder auch als Linienstechen bezeichnet, setzt Jochen Benzinger auf die alten Techniken des Gravierens und des Skelettierens, um aus normalen geschlossenen Uhrwerken individuelle Kunstwerke herzustellen.

Das Gravieren ist so alt wie die Menschheit selbst. Zu allen Zeiten benutzten die Menschen Schneidwerkzeuge, um Schmuck und Gebrauchsgegenstände zu verzieren. Ihren ersten Höhepunkt erreichte die Gravierkunst im Europa des 15. und 16. Jahrhunderts, als Rüstungen und Waffen kunstvoll graviert und ziseliert wurden. Albrecht Dürer brachte im 16. Jahrhundert dieses Handwerk zu einer neuen Blütezeit, als er mit denselben Werkzeugen die Kupferdruckstöcke für seine berühmten Drucke schnitt, und wie sie auch heute noch in der Uhrenwerkstatt von Jochen Benzinger verwendet werden.

Die Skelettierung von Uhrwerken ist eine der höchsten Veredelungsformen einer Uhr. Das Uhrwerk wird dabei auf ein Minimum der mechanischen Teile reduziert und damit von allen überflüssigen Teilen befreit. Teile des Uhrwerks werden mittels einer Goldschmiedesäge entfernt, um den direkten Blick in und durch das mechanische Uhrwerk zu offenbaren. Der Blick auf das Uhrwerk hindurch wird durch einen Saphirglasboden ermöglicht.

Experte im Studio:

Jochen Benzinger

Uhrenbauer und Graveurmeister

Letzte Änderung am: 05.08.2011, 23.23 Uhr

Themen der Sendung

Sendezeit Montags bis freitags

16.05 Uhr bis 18.00 Uhr im SWR Fernsehen

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