aus der Sendung vom Mittwoch, 6.7.2011 | 16.05 Uhr | SWR Fernsehen

1. Buch-Tipp
Zugleich nachdenklich und spannend bis zuletzt führt uns Donna Leon an der venezianischen Gesellschaft Scheinheiligkeit, Durchtriebenheit und Korruption vor. In diesem Roman wagt sich Donna Leon an ein heikles Thema in Italien: Homosexualität. Und sie zeigt, wohin die Angst vor Homosexualität führen kann... Ein Unterhaltungsroman auf höchstem Niveau.
2. Buch-Tipp
Auf knapp 670 Seiten, die einem nie zu viel erscheinen, erzählt Hans Fallada (1893 - 1947) wie das Berliner Ehepaar Quangel Widerstand gegen die Nazis wagt - und 1943 hingerichtet wird. Falladas letzter Roman, den er im Jahre 1946 in vier Wochen wie im Fieber schrieb, ist eine eindrückliche psychologische, nuancierte Studie des Alltags in Nazideutschland. Über 60 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen jetzt in ungekürzter Fassung, lesen wir erschüttert von menschlichen Abgründen und unabsichtlichem Heldenmut. Ein Roman, der zur Zeit zu recht in den USA, in Frankreich, in Großbritannien und anderen Ländern überaus großen Erfolg hat.
3. Buch-Tipp
Rasanter Wechsel zwischen Dialog und Erzählung machen die Krimis von Michael Moritz zu einem spannenden Lesevergnügen. Sie spielen allesamt (bisher drei) im Badischen. Die oberflächliche Idylle trügt im schönen Badischen: Morde geschehen dort so einige. Und mitten drin immer der Kriegsfotograf Killian und Hauptkommissar Belledin. Killian kehrt nach zwanzig Jahren Auslandsjob zurück in sein Heimatstädtchen am Kaiserstuhl. Hauptkommissar Belledin blieb immer in der Heimat, hat sich zum Hauptkommissar hochgearbeitet. Killian, der eigentlich jetzt mal seine Ruhe haben möchte, trifft alte Bekannte wieder: die erste Liebe beispielsweise und wird an die AKW-Anfänge erinnert und sieht, was aus den Aktivisten von damals wurde und manche Bekannte werden ermordet. Persönliches und Politik mischen sich in Michael Moritz' Krimis mit genauer Kenntnis des Kaiserstuhls, wo er, 1968 in Freiburg geboren, aufwuchs. Tolle Kriminunterhaltung!
4. Buch-Tipp
Selten ein so unterhaltsames Reisebuch über ein Land gelesen. Magnusson, Sohn deutsch-isländischer Eltern, erzählt von Island mit Insiderwissen und mit Abstand. Diese Mischung ergibt ein witziges und liebevolles Porträt all der Macken und positiven Angewohnheiten der Isländer. Auch die politischen Entscheidungen, gerade auch in Bezug auf die kürzliche Bankenkrise, kann Magnusson einzigartig kommentieren. Es ist ein Buch, das mit jeder Zeile den "Isländer an sich" sympathisch macht. Und man wundert sich, warum man nicht schon längst ein Ticket für einen Flug nach Island gekauft hat...
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SWR Kulturredaktion
Letzte Änderung am: 27.05.2011, 23.29 Uhr