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Muslime in Deutschland sind in Vereinen und Verbänden organisiert. Es gibt mehrere Dachorganisationen, jede steht für eine andere Ausprägung des Islam. Mal liberaler, mal weniger weltoffen. Wer steckt hinter Vereinigungen wie dem Zentralrat der Muslime, dem Islamrat oder der staatlichen türkischen Moscheevereinigung DITIB?
In Deutschland gibt es eine Vielzahl an muslimischen Verbänden, die das religiöse Leben organisieren. In erster Linie kümmern sie sich um den Bau und Erhalt von Moscheen. Sie sind alle nach dem deutschen Vereinsrecht organisiert und finanzieren sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge. Einige bemühen sich auch um eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes.
Die vier größten Verbände haben sich im April 2007 zum Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) zusammengeschlossen. Der Rat nimmt für sich in Anspruch, den Großteil der sunnitischen und schiitischen Muslime in Deutschland zu vertreten und ein zentraler Ansprechpartner für den Staat zu sein.
Dazu gehören die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V. (IRD) und der Verband der islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ).
Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) trifft sich ein Mal im Jahr. An ihr nehmen Politiker und muslimische Vertreter teil. Ziel ist es durch den gemeinsamen Dialog die Integration von Muslimen in Deutschland zu fördern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
An der im September 2006 erstmals ins Leben gerufenen Deutschen Islamkonferenz (DIK) war neben diesen vier Verbänden auch noch der Verein Alevitische Gemeinde in Deutschland e.V. (AABF) vertreten. Die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2009) belegte, dass sich ein Viertel der ungefähr vier Millionen Muslime in Deutschland von den bisher an der DIK teilnehmenden islamischen Dach- und Spitzenverbänden vertreten fühlen.
Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD) ist seit 2010 vorerst von der Islamkonferenz ausgeschlossen. Grund waren Ermittlungsverfahren gegen führende Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG), der größten Mitgliedsorganisation des IRD. Diese Ermittlungsverfahren wurden inzwischen eingestellt. Milli Görüş wird vom Verfassungsschutz des Bundes und mehrerer Länder als "extremistisch" eingestuft.
Mit rund 27.500 Mitgliedern ist die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) die größte islamistische Organisation in Deutschland. Sie geht zurück auf die in den 1970er Jahren gegründete türkische "Milli Görüş"-Bewegung, deren langfristige Ziele die grundlegende Umgestaltung der Türkei und die Einführung einer islamischen Weltordnung sind. Damit verbunden ist nach Einschätzung der Verfassungsschützer die Ablehnung westlicher Demokratien. Jedoch bekennt sich die IGMG in eigenen Aussagen zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Eine - wie ursprünglich berichtet - Führerschaft des als "Kalif von Köln" bekannt gewordenen und 2004 aus Deutschland in die Türkei abgeschobenen Metin Kaplan bei IGMG kann nicht aufrecht erhalten werden.
Die Redaktion
Letzte Änderung am: 16.01.2012, 14.22 Uhr