Alltagsgeschichten aus KairoDie Botschaft des Fernsehpredigers

Amr Khaled erklärt den Koran im TV

In der Islam-Schwerpunktwoche berichtet SWR-Hörfunkkorrespondentin Esther Saoub täglich für SWR.de aus Kairo. Wenn man dort den Fernseher einschaltet, kann man Amr Khaled dabei zuschauen, wie er live für die arabische Jugend predigt.

Er lächelt von riesigen Plakaten auf die Passanten hinunter: Amr Khaled, der derzeit populärste Fernsehprediger der islamischen Welt. Im Fastenmonat hatte er jeden Abend eine Live-Sendung im Satellitenkanal Iqra. Direkt aus Mekka, der heiligen Stadt, verkündete er seine Botschaft. Millionen von Jugendlichen zwischen 15 und 35 sehen ihn, in der arabischen Welt, aber auch in Europa. Bis nach Deutschland wurde Khaled schon eingeladen.

"Bismika Nahia" ("In deinem Namen leben wir") – hieß das Ramadan-Programm, dessen Titelmelodie wie ein Popsong daherkommt. Das ist gewollt, denn Amru Khaled, Schöpfer und Präsentator der Sendung, wendet sich an die obere Mittelschicht der arabischen Jugend. Sie, so seine These, kann den Islam zum Besseren verändern.

Ein Held der muslimischen Jugend

Ich habe mich unter den Jugendlichen hier umgehört. Iman zum Beispiel, Mitte zwanzig und Verkäuferin, ist völlig begeistert: "Er lehrt uns Dinge, die wir vorher nicht wussten. Das Beste ist, wenn man jemandem folgen kann, den man mag. Religion heißt für ihn nicht, zu lehren wie man betet oder wie man fastet – Religion ist alles, das ganze soziale Leben." So wie Iman sehen es viele, Amr Khaled ist äußerst populär bei der muslimischen Jugend.

Auf den ersten Blick hat seine Show auch mich fasziniert, er spricht deutlich und verständlich – fragt sich immer wieder selbst: "Habe ich das jetzt verstanden? Mit dem Kopf schon, aber was ist mit meinem Herzen? Lebe ich die Botschaft auch?". Die Inhalte seiner Predigten entsprechen allerdings kaum dem dynamischen Äußeren: Es geht sehr wohl ums Beten und Fasten, sein Islam ist nicht weniger konservativ als der der über tausendjährigen Azhar–Moschee.

Modernes Medium, aber keine modernen Ansichten

Zwar nimmt Amr Khaled keine extremen Positionen ein, aber er hält sich brav an die Schrift des Koran. Beziehungen vor der Ehe, mehr Rechte für die Frauen - Themen, über die hier viele Leute meiner Generation nachdenken - fasst er nicht anders an als die ehrwürdigen Scheichs.

Seit 1999 kenne ich Kairo. Jedes Mal, wenn ich hierher komme, scheinen die Kopftücher zugenommen zu haben, scheint die Jugend – bis auf eine kleine Oberschicht – reglementierter und konservativer zu werden. Schade, dass Amr Khaled seine Popularität nicht nutzt, um hier die Strukturen ein bisschen aufzubrechen. Doch wenn er damit anfinge, würde ihn vermutlich kein Sender mehr ausstrahlen.

Autorin: Esther Saoub

Letzte Änderung am: 26.10.2006, 09.10 Uhr

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