Alltagsgeschichten aus KairoMehr Schmuck als Verhüllung
Das Kopftuch
In der Islam-Schwerpunktwoche berichtet SWR-Hörfunkkorrespondentin Esther Saoub täglich für SWR.de aus Kairo. Für den dritten Teil hat sie sich zeigen lassen, wie ein Kopftuch als modisches Accessoire getragen wird.
Der Laden heißt "Venti" und eine italienische Fahne auf dem Schild suggeriert mediterranen Schick. Doch das Schaufenster belehrt eines Besseren: lange Röcke, weite Blusen, und farblich passende Kopftücher – wer sich hier einkleidet, legt Wert auf religionskonforme Kleidung. Der richtige Ort also, um sich zeigen zu lassen, wie ein Kopftuch fachgerecht und modisch gebunden wird.
Koransuren statt Musik
Im Laden dröhnen Koransuren aus den Lautsprechern. Die Verkäuferinnen – alle verschleiert natürlich – kümmern sich zu dritt um mich: Eine bindet, eine liefert Stecknadeln zu, die dritte sucht Farben aus. Mehrfarbige Kopftücher sind sehr modern dieses Jahr, erfahre ich, immer passend zur Farbe der sonstigen Kleidung.
Wickeln, knoten, Haare hochstecken
Bei der Wickeltechnik sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Wichtig ist, dass die Haare unter dem Kopftuch hochgesteckt werden, das betont den Hinterkopf. Zunächst lerne ich ein einfaches Modell mit einem Tuch in hellem Türkis. Allerdings hat mein T-Shirt den falschen Ausschnitt: Der Hals ist noch zu sehen. Um dies zu vermeiden tragen viele Frauen Rollkragenpullover oder hochgeschlossene Blusen.
Rund 70 Prozent der Ägypterinnen verschleiern sich inzwischen, Tendenz steigend. Sogar mehrere Schauspielerinnen haben sich in den letzten Jahren entschieden, ein Kopftuch zu tragen und aufgehört Filme zu drehen. Vier von ihnen feierten in diesem Ramadan ihr Comeback: Sie treten jetzt mit Kopftuch vor die Kamera in einer der unzähligen TV-Serien, die alle Jahre zum Fastenmonat ausgestrahlt werden – natürlich verkörpern sie nur noch sittsame Rollen.
Auch der Friseur bindet Kopftücher
Die Verkäuferinnen bei "Venti" freuen sich darüber. Sie tragen gerne Kopftücher, sagen sie, und ermutigen ihre Kundinnen, das gleiche zu tun. Für ihre Hochzeit hat sich eine von ihnen, Iman heißt sie, das Kopftuch sogar professionell beim Friseur binden lassen. Auch ich bekomme als zweites Modell eine festlichere Variante aus drei verschiedenen Tüchern – besonders von hinten sieht sie raffiniert aus.
"Schön", sagt Iman schließlich, und nach einer Pause: "Mit Kopftuch siehst du viel besser aus als ohne". Als sich meine ägyptische Mitarbeiterin auch noch die Frage gefallen lassen muss, warum sie kein Kopftuch trage, verabschieden wir uns lieber. Aber einen Schal kaufe ich noch – die feinen Tücher sehen schließlich auch um den Hals gut aus.
Autorin: Esther Saoub
Letzte Änderung am: 25.10.2006, 10.00 Uhr






