Im SWR Fernsehen erkundet in der sechsteiligen Reihe "In Nachbars Küche..." jeweils eine einheimische Familie die Küche der zugewanderten Nachbarn. Italiener, Griechen, Brasilianer – im Südwesten leben mehr als 150 Nationalitäten. 60 Prozent der Baden-Württemberger haben ihre Wurzeln nicht im Land. Deutsche und Einwanderer wohnen häufig Tür an Tür – doch wie gut kennen sie sich wirklich? Wo kommen die Nachbarn her? Was kochen sie, wo kaufen sie ein und welche Feste feiern sie?

Aramäische Festtagstafel
Heimatvertriebene nach dem zweiten Weltkrieg und Einwanderer haben ihre eigene Kultur mitgebracht und inzwischen hier ihre Heimat gefunden. In Stuttgart leben 170 Nationalitäten, in Mannheim 160 und in Heilbronn 130. Dennoch gibt es gelegentlich Berührungsängste.
Wie es hinter der Wohnungstür der Nachbarn aussieht, erkundet in jeder Folge dieser Sendereihe eine einheimische Familie bei den zugewanderten Nachbarn und nähert sich so einem fremden Kulturkreis an - in Gesprächen und beim gemeinsamen Kochen. Das Kennenlernen funktioniert nicht nur über das Gespräch, sondern auch und vor allem über den "Bauch". Das weckt die Neugier umso mehr. Die Filme laden auf eine appetitanregende Weise dazu ein, mehr über die unbekannten Nachbarn zu erfahren.
In Nachbars Küche - alle Sendungen dieser Reihe:
04. August: "Aramäische Festtagsküche", 18.15 Uhr
11. August: "Grillen auf brasilianisch", 18.15 Uhr
18. August: "Persische Kochkultur", 18.15 Uhr
25. August: "Koscher kochen", 18.15 Uhr
1. September: "Griechische Genüsse", 18.15 Uhr
8. September: "Köstlichkeiten aus Kamerun", 18.15 Uhr
Letzte Änderung am: 23.07.2010, 15.38 Uhr
Sie sprechen die Sprache Jesu und zählen sich zu den ältesten Christen: die Aramäer, die im Grenzgebiet Türkei/Irak und Syrien zuhause sind. Auch Josef Kaya und seine Familie gehören dazu.

Aramäische Festtafel mit deutschen Freunden
Josef Kaya kam mit neun Jahren nach Kirchardt bei Heilbronn, hier lebte ein Onkel. Josef Kaya besuchte die Schule im Dorf, machte eine Malerlehre und betreibt heute ein gutgehendes Malergeschäft. Als verfolgte christliche Minderheit wanderten viele Aramäer in den letzten Jahrzehnten aus. Rund um Heilbronn und Bietigheim bildete sich ein aramäisches Zentrum mit eigenen Kirchen und Vereinen.
Die Familien Kaya und Hartmann sind seit langem befreundet. Der Sport hat sie zusammen geführt: Beide Söhne und die Väter spielen im örtlichen Fußballverein. Joachim Hartmann hat seit kurzem das Kochen als Hobby für sich entdeckt. Rihane Kaya zeigt ihm und seiner Gattin Heike Hartmann die Spezialitäten, die die Aramäer in den Dörfern der Osttürkei kochten, um ihre Gäste zu verwöhnen.
Unterstützung bekommen sie dabei von der Schwiegermutter, denn manche traditionelle Gerichte kennen nur noch die Alten. Ein aramäisches Festmahl, das von beiden Familien zubereitet wird und viel über die Kultur und Heimat der Aramäer vermittelt - die Rezepte dazu finden Sie in der rechten Spalte.
Im Osten der Türkei, am Oberlauf des Tigris sind die Aramäer zuhause. Das Zentrum ist die Stadt Midyat, sie liegt mitten im Kalksteingebirge des Tur Abdin, übersetzt: der Berg der Knechte Gottes. Hier ist auch eines der ältesten Klöster der Christenheit: Mor Gabriel. Die Bewohner des Tur Abdin sollen bereits im 1. Jahrhundert von den Aposteln Thomas und Thaddäus zum Christentum bekehrt worden sein. Die Aramäer gehören somit zu den ältesten Christen. Sie sprechen die Sprache Jesu und hatten über alle Jahrhunderte unter Verfolgung zu leiden.
Im Zuge des ersten Weltkriegs kam es zum Völkermord im damaligen osmanischen Reich. Die einheimischen Christen wurden als innere Feinde angesehen, die der Bildung eines großtürkischen Staates im Wege standen. Kurden und Türken töteten über eine halbe Million Aramäer, ganze Dörfer wurden entvölkert. Die Aramäer wurden vertrieben und begannen aus ihrem Land auszuwandern. Heute leben nur noch etwa 3000 aramäische Christen im Tur Abdin, vor allem in den Dörfern rund um Midyat.
Die aramäische Schrift ist schon im 7. Jahrhundert vor Christus nachweisbar. Aus ihr haben sich erst die arabischen und hebräischen Schriftzeichen entwickelt.
Letzte Änderung am: 23.07.2010, 15.38 Uhr
Im SWR Fernsehen erkundet in der sechsteiligen Reihe "In Nachbars Küche..." jeweils eine einheimische Familie die Küche der zugewanderten Nachbarn. Italiener, Griechen, Brasilianer – im Südwesten leben mehr als 150 Nationalitäten. Deutsche und Einwanderer wohnen häufig Tür an Tür – doch wie gut kennen sie sich wirklich? Wo kommen die Nachbarn her? Was kochen sie, wo kaufen sie ein und welche Feste feiern sie?

Churrasco-Grill
Das möchte auch Familie Mattes in der Sendung am 11. August über die aus Brasilien stammenden Seiberts herausfinden. Beide Familien kommen aus Bietigheim. Wer Familie Seibert zum ersten Mal sieht, denkt zunächst nicht an Südamerika: strohblonde Kinder und ein urdeutscher Name. Doch die Seiberts widersprechen nur auf den ersten Blick allen brasilianischen Klischees. Die Familie ist in vierter Generation brasilianisch, hat aber deutsche Wurzeln. Seit einem Jahr erst wohnen sie in Bietigheim.
Wenn die Seiberts feiern, dann gibt es bei ihnen Churrasco – zu deutsch: Es wird gegrillt. Aber nicht so, wie es die deutschen Mattes gewohnt sind. Die Speisen werden auf speziell gebauten Grills zubereitet, die typisch für den Süden Brasiliens sind. Im Süden Brasiliens, wo Familie Seibert herkommt, hat fast jedes Haus einen oder sogar mehrere fest eingebaute Grills und die Fleischstücke werden auf Spießen gegart. Dazu gibt es Reis und natürlich schwarze Bohnen.
Wie die Churrascos gebaut werden, erlebt die deutsche Familie hautnah – und darf selbst mit Hand anlegen. Was genau wie auf dem brasilianischen Grill landet, kann man in der Sendung sehen. Fest steht auch, dass sowohl schwarze Bohnen und Maniokmehl mit Gemüse, wie auch selbst gemachter Caipirinha auf dem Speisezettel stehen.
Die Seiberts laden mitten in Schwaben zum deutsch-brasilianischen Churrasco und erzählen von ihrer spannenden Familiengeschichte. In Brasiliens südlichstem Bundesstaat Rio Grand do Sul haben sich im 19. Jahrhundert viele europäische Familien angesiedelt und einige Traditionen bis heute bewahrt. Gegessen wird allerdings auch hier typisch südamerikanisch.
Letzte Änderung am: 23.07.2010, 15.38 Uhr

Essen wie zuhause im Iran
Um ein Festtags-Menü geht es bei den Esfahanis am 18. August in Freiburg. Die Familie zaubert mit ihren deutschen Freunden, den Pröbstles, für die Sendung ein typisch iranisches Festessen. Was es genau geben wird, ist noch ein Geheimnis. Auf jeden Fall ist es eines der Lieblingsrezepte der Familie.
Die Esfahanis stammen aus Teheran. Als politischer Flüchtling kam Davod Esfahani vor 26 Jahren nach Deutschland, hat hier eine Ausbildung gemacht und arbeitet seit vielen Jahren als Chirurgiemechaniker in Weil am Rhein. Seine Frau Maryam ist diplomierte Übersetzerin. Da ihr Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, studiert sie einfach noch einmal Anglistik und Islamwissenschaften an der Universität Freiburg.
Eine Begegnung an der Universität führte auch die beiden Familien Pröbstle und Esfahani zusammen. Klaus Pröbstle ist pensionierter Anwalt und fasziniert vom Nahen Osten. Er will auf dem zweiten Bildungsweg mehr über den nahen Osten erfahren. Auf ihn und seine Frau wartet eine kulinarische Entdeckungsreise: Gemeinsam erfahren sie, wie Berberitzen-Beeren schmecken und was man mit Trockenjoghurt alles machen kann. Die Esfahanis erzählen von alten persischen Koch- und Tischritualen. Und gegessen wird – auch wenn die Esfahanis natürlich für den Alltag Tisch und Stühle benutzen – ganz orientalisch auf dem Boden.
Letzte Änderung am: 23.07.2010, 15.38 Uhr
Sie kommen aus dem Land Jesu und sprechen zu Hause hebräisch: der Rabbiner Schneur Trebnik, seine Frau Channa und ihre sechs Kinder. Vor zehn Jahren kamen die Trebniks von Israel nach Ulm und fanden hier nur ein paar vereinzelte Juden vor, die sich kaum oder gar nicht an die jüdischen Speisegesetze hielten. Inzwischen hat die jüdische Gemeinde in Ulm 500 Mitglieder und dank Rabbi Trebnik wissen die meisten, was gegessen werden darf und wie.
Ob koschere Gummibärchen, blutiges Fleisch, weiße oder braune Eier, alles ist durch Kaschrut, die jüdischen Speisegesetze, geregelt.
Zum Einkaufen nach Straßburg fahren – das ist für Trebnik Alltag. In Straßburg leben 15 000 Juden und es gibt gleich mehrere koschere Supermärkte. Drei Autostunden weit in die elsässische Metropole für ein paar Lebensmittel? Klar, denn wer koscher essen will, hat keine andere Wahl.

Rabbiner Schneur Trebnik und seine Frau Channa, Petra und Ingo Bergmann
Seit Jahren sind die Trebniks befreundet mit Ingo und Petra Bergmann. Ingo hat ein Buch über die Ulmer Opfer der Shoa geschrieben. Er und seine Frau interessieren sich für alles Jüdische: Geschichte, Sprache, Kultur und auch das Essen. Sie kochen zusammen ein jüdisches Essen, das viel über die Kultur und Heimat der Juden vermittelt.
Letzte Änderung am: 23.07.2010, 15.38 Uhr
Familie Kementzetzidou aus Griechenland ist in dieser Folge Gastgeber für ihre deutschen Nachbarn. Sie erzählen beim gemeinsamen Kochen über die griechische Heimat und wie sie in Baden-Württemberg ein neues Zuhause gefunden haben.
Die Arbeiter aus Griechenland gehörten mit den Italienern und Spaniern zu den ersten Gastarbeitern, die in den 60er Jahren nach Deutschland kamen. Heute gehören griechische Lokale und der "Grieche am Eck", bei dem es frisches Obst und Gemüse zu kaufen gibt, zum alltäglichen Bild in unseren Städten.
Griechenland als Ferienland gehört zu den Spitzenreitern unter den deutschen Urlaubszielen. Die griechische Küche gilt als gesund. Produkte aus Griechenland wie Öl, Oliven oder Käse sind fast auf jedem deutschen Einkaufszettel zu finden.
Letzte Änderung am: 23.07.2010, 15.38 Uhr
Das Filmteam des SWR-Fernsehens mit Autorin Susanne Babila war zu Gast bei Familie Song. Die Zuwanderer aus Kamerun kochen mit deutschen Freunden Spezialitäten aus ihrem Herkunftsland. Bei diesem Streifzug durch die Küche Kameruns stehen Maniok und Kochbanane im Mittelpunkt eines Geflügelgerichts.

Beide Familien genießen das Menü
Samy Song studierte in Deutschland Elektrotechnik. Zum Studium kam er 1989 nach Deutschland. Seine erste Station war Radolfzell, dann ging es zum Studium nach Kaiserslautern. Heute arbeitet der 39-jährige Kameruner als Spezialist für elektronische Qualitätskontrolle von Produktionsabläufen für verschiedene Bereiche, zum Beispiel für die Automobilindustrie. So verschlug es ihn auch nach Stuttgart. Die deutsche Sprache war ihm auch in Kamerun nicht fremd, denn sein Vater war Deutschlehrer und unterrichtete die Fremdsprache am Gymnasium.
Colette Song stammt aus Ruanda und kam 1991 nach Deutschland. Sie hatte ein Stipendium aus Rheinland-Pfalz in der Tasche. Die erfolgreiche Chemiestudentin promovierte in Humangenetik und ist heute in der Krebsmittelforschung tätig. Die 39-jährige lernte Samy als Studienkollegen kennen und lieben. Heute hat das Ehepaar drei Kinder. Ophélie (8 Jahre), Nathan (6 Jahre) und Cynthia (2 Jahre) sind in Deutschland geboren. Kamerun haben sie noch nie besucht, aber Kenia und Ruanda. Colette und Samy Song ist es wichtig, den Kindern Afrika und seine Kultur zu vermitteln. "Lebensmittelpunkt ist aber Deutschland", sagt Samy Song, "denn hier können wir für die Kinder Sicherheit und eine langfristige Perspektive garantieren, in Afrika nicht".
Petra Privat vermittelt ausländische Fachkräfte an Betriebe in Baden-Württemberg. Christian Privat arbeitet in der Logistik eines großen baden-württembergischen Unternehmens, das weltweit tätig ist. Das Ehepaar lebt mit den beiden Töchtern seit einigen Jahren in Ostfildern - so wie Familie Song auch.

In der Küche Kameruns werden viele Gerichte geschmort und bei niedriger Temperatur gekocht. Hülsenfrüchte und Maniok sowie Fleisch, in der Regel Geflügel oder Rind, stehen im Mittelpunkt der kulinarischen Tradition Kameruns. Huhn nach Kameruner Art mit Maniok und Miondo ist nichts Alltägliches für europäische Gaumen, aber sehr schmackhaft! Zum Huhn kommen Kochbananen, was diesem Rezept eine ganz besondere Note gibt.
Letzte Änderung am: 23.07.2010, 15.38 Uhr