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Die Integration der Migranten in Deutschland sei nicht gescheitert, erklärte die Bundesintegrationsbeauftragte Maria Böhmer beim 12. Medienforum Migration des SWR in Stuttgart. Böhmer forderte die Medien auf, viel stärker die Normalität abzubilden, denn "Wahrnehmung und Wirklichkeit" würden weit auseinander klaffen.
Debatten seien nötig, aber sie dürften nicht einseitig geführt werden, so Maria Böhmer. Sie beklagte, dass beispielsweise der Beschluss des Bundeskabinetts, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu erleichtern, in den Medien kaum Thema gewesen sei. Obwohl es etwa 150 Studien zu Islam in Deutschland gebe, würden die Journalisten auf dieses Wissen nicht zurückgreifen. Nach wie vor sei die Berichterstattung über den Islam und die Muslime von Klischees und Negativem überschattet.
Maria Böhmer forderte die Medien auf, mehr über erfolgreiche Integration zu berichten. Außerdem müsse es mehr Migranten vor und hinter die Mikrofone geben, genauso mehr Qualifikation zu den Themen Migration und Integration der Medienschaffenden.
Auch die neue Integrationsministerin des Landes Baden-Württemberg, Bilkay Öney, SPD, hob die besondere Rolle der Medien hervor: Integration funktioniere „durch und über die Medien“, sagte sie. Integration finde mitten im Programm statt. Der designierte Beauftragte für Migration und Integration des Landes Rheinland-Pfalz Miguel Vicente betonte, im Alltag habe sich vieles geändert, multikulturell zu sein, sei viel normaler geworden und „es funktioniert“.
Anlässlich des 50jährigen Jubiläums des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens hob der türkische Generalkonsul in Stuttgart Mustafa Türker Ari, die Leistung der türkischen Migranten hervor: es gebe bundesweit 80 000 von türkischen Migranten gegründete Unternehmen, davon allein 14 000 in Baden-Württemberg. Diese Unternehmen würden insgesamt 355 000 Mitarbeiter beschäftigen und erwirtschafteten 36 Milliarden Euro jährlich. Zugleich forderte er, dass alle Menschen, die in der deutschen Gesellschaft lebten, die deutsche Sprache sprechen müssten.
Hans-Peter Archner, stellvertretender SWR-Landessenderdirektor Baden-Württemberg, hob hervor, dass die Bundesländer, für die der SWR berichtet, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, von Migranten geprägte Regionen seien. "Unsere Heimat hat viele Gesichter, was wir als Bereicherung empfinden", sagte Archner. Dies finde sich auch in der Berichterstattung wieder.
Die Medienakademie war Mitbegründerin des Medienforums. Ziel war immer, Klarheit in einen Themenbereich zu bringen, der von Halbwissen und Vorurteilen geprägt war, sagte Matthias Harder von der ARD/ZDF Medienakademie. Das Thema brauche langanhaltende Beschäftigung. Nicht nur Migranten als Programmmacher seien wichtig, sondern auch Kompetenz bei allen anderen Medienschaffenden, so Harder. Der Wert der Zuwanderer müsste stärker in den Vordergrund rücken, forderte Harder.
Im Mittelpunkt des "12. Medienforums Migration" beim Südwestrundfunk (SWR) in Stuttgart stehen die Themen Medien und Integration sowie die Einwanderung türkischstämmiger Migranten nach Deutschland. Die von der SWR-Fachredaktion „SWR International“ organisierte Veranstaltung ist eine der größten Fachtagungen im Bereich Migration und Medien im deutschsprachigen Raum.
Letzte Änderung am: 16.05.2011, 07.24 Uhr