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Mehmet Gürcan Daimagüler, erfolgreicher Rechtsanwalt und ehemaliges Mitglied im Bundesvorstand der FDP, liefert mit seiner Autobiografie ein spannendes aber durchaus selbstkritisches Buch über einen Mann auf der Suche nach seinem Platz zwischen den Kulturen. Mit seinem Buch rechnet Mehmet Gürcan Daimagüler nun ab – nicht nur mit der Integrationspolitik und Deutschland, sondern auch mit sich selbst und der türkischen Gemeinde.
Mehmet Gürcan Daimagülers Heimat ist Deutschland, er ist hier geboren und aufgewachsen. Dennoch fühlt er sich manchmal fremd im eigenen Land. Das Buch schildert seinen Lebensweg: vom Hauptschüler zum Harvard-Absolventen, zum ersten Türkischstämmigen, der in das oberste Beschlussgremium einer deutschen Partei gewählt wurde. Heute arbeitet er erfolgreich als Rechtsanwalt in Berlin. Und trotzdem fühlt er sich in Deutschland nicht vollständig integriert.
Die gescheiterte Integration – nur ein Märchen oder harte Realität? Laut Mehmet Gürcan Daimagüler gibt es Probleme im Bereich der Integration. Es fehlen Bildung, Identität und Perspektive. Fast ein Drittel der Männer und Frauen mit Wurzeln im Ausland haben keinen Berufsabschluss. Aber die Probleme alleine in der Politik zu suchen ist falsch. Man muss aufhören sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben - immer von „uns“ und „den Anderen“ zu reden. Mehmet Gürcan Daimagüler fordert mehr Offenheit, Vielfalt und Engagement von allen - auch auf türkischer Seite. Er selbst sagt:“Ich bin stolz auf meine türkische Herkunft. Aber mein Zuhause ist hier in Deutschland und hier in Deutschland sollten wir uns engagieren. Nirgendwo anders.“
Eine gewisse Ähnlichkeit zu Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ ist - zumindest vom Layout her - nicht zu leugnen. „Kein schönes Land in dieser Zeit“ wurde zwar nicht direkt als Antwort auf Sarrazins Buch konzipiert, kann aber durchaus als solche gelesen werden. Der wesentliche Unterschied, so Mehmet Gürcan Daimagüler: „Sarrazin sagt Deutschland schafft sich ab mit den Einwanderern und ich sage, Deutschland wird sich abschaffen, wenn wir nicht offener werden für mehr Vielfalt.“
„Kein schönes Land in dieser Zeit“ ist ein vielschichtiger und unterhaltsamer Appell zu mehr Toleranz und wenn jeder Einzelne ein bisschen mehr Offenheit zeigt kann Mehmets Gürcan Daimagülers nächstes Buch vielleicht den Titel „Ein schönes Land in dieser Zeit“ tragen.
Letzte Änderung am: 08.11.2011, 13.37 Uhr