Buchmesse als Plattform für Proteste
Zum Start Frankfurter Buchmesse haben Organisationen für Menschenrechte die Lage im Schwerpunktland Türkei kritisiert. Dort sei die Meinungsfreiheit immer noch durch zahlreiche Gesetze eingeschränkt, erklärte amnesty international (ai) in Berlin. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) verwies auch auf die Unterdrückung des christlichen Kulturerbes.
Nach Erkenntnissen von amnesty international (ai) werden ethnische und religiöse Minderheiten in der Türkei weiter unterdrückt, sexuelle Minderheiten diskriminiert und schikaniert. "Von einer Anerkennung kultureller Rechte für Volksgruppen wie die Kurden ist die Türkei noch weit entfernt", heißt es in der Erklärung. Mit Blick auf das Motto des türkischen Messeauftritts "Faszinierend farbig" sagte ai-Türkei-Expertin Amke Dietert, die Vielfalt werde von der türkischen Staatsmacht eher als Bedrohung denn als Bereicherung empfunden und entsprechend verfolgt. "Die Macht des türkischen Militärs ist ungebrochen. Wer dies kritisiert, wird weiterhin nach dem berüchtigten Artikel 301 des Strafgesetzbuches wegen Herabwürdigung der Streitkräfte verfolgt."
Die IGFM erinnerte daran, dass mehrere Autoren wegen der Erwähnung eines türkischen Völkermords an den christlichen Armeniern verfolgt würden. ai verwies auch auf Einschränkungen für die kurdische Sprache. Das frühere totale Verbot sei zwar im Zuge der EU-Annäherung gelockert worden. "Kurdisch darf aber nach wie vor nicht unterrichtet werden und ist für parteipolitische Aktivitäten jeder Art verboten."
Die IGFM kritisierte, dass die türkischen Behörden den Unterricht von Aramäisch in den Klöstern des Tur Abdin verböten. Trotz der Bitten von Politikern und Bischöfen lehne die türkische Regierung auch im Paulus-Jahr die Errichtung einer Kirche in Tarsus, dem Geburtsort des Apostels, ab. Außerdem verhinderten die türkischen Behörden die Öffnung des seit 1971 geschlossenen Priesterseminars der griechisch-orthodoxen Kirche auf der Prinzeninsel Heybeli.
Letzte Änderung am: 14.10.2008, 16.57 Uhr