Auf ihrer Jahrestagung haben Auswandererberatungsstellen des deutschen Roten Kreuzes, der Diakonie und des Raphaels-Werks über die Motive der Auswanderer diskutiert. Rund 60 % der ratsuchenden Deutschen in den Beratungsstellen des Raphaels-Werks hätten 2007 berufliche oder wirtschaftliche Gründe für die Ausreise angegeben, betonte Gabriele Mertens, Generalsekretärin des Raphaels-Werks. SWR International sprach mit Gabriele Mertens.
Die Vertreter der Beratungsstellen diskutierten über aktuelle Entwicklungen in der Beratung von binationalen Paaren, Ausreisemöglichkeiten bei Überschuldung sowie über die Zielländer Vereinigte Arabische Emirate, China und Schweiz.
Insbesondere der Schritt in die Nachbarländer Deutschlands ist beliebt. Im Vergangenen Jahr gingen gingen laut Bundesamt für Statistik 23.000 Deutsche in die Schweiz und jeweils mehr als 10.000 Personen nach Österreich und Polen. Doch viele zieht es weiter in die Ferne. 14.000 deutsche Staatsbürger wanderten letztes Jahr in die USA aus und immer mehr gehen, zumeist aus beruflichen Gründen nach Asien. "Wir erleben eine Globalisierung des Arbeitsmarktes", kommentierte Gabriele Mertens, Generalsekretärin des Raphaels-Werks.
"Ein Auslandsaufenthalt bietet die Möglichkeit, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln", so Mertens.
Bereits im Januar und Februar 2008 verließen 26.000 Deutsche ihre Heimat, rund neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 2007 verzeichnete das Bundesamt für Statistik insgesamt 161.000 Fortzüge deutscher Staatsbürger.
Die Auswanderung sollte aber keine Flucht vor ungelösten Problemen in Deutschland sein, betonte Mertens. Für 15 Prozent stünden familiäre Motive im Vordergrund, wie der Nachzug zum Partner oder zur Partnerin ins Ausland.
"Die Ausreise, ob zeitlich befristet oder auf Dauer sollte gut vorbereitet werden", sagte Mertens weiter. Die Auswandererberater der Wohlfahrtsverbände würden täglich in einem Spannungsfeld aus realistischen Plänen und Wunschträumen von Auswanderern arbeiten. Sie geben den Rat, das Zielland gut kennen zu lernen, die Landessprache zu erlernen und sich Zeit für die Entscheidung zu nehmen. Eine Auswanderung sei teuer, so Mertens. Außerdem müssten um ein Einwanderungsvisum für bestimmte Länder wie Kanada oder die USA zu erhalten, ausreichend finanzielle Eigenmittel nachgewiesen werden. Wer bereits in Deutschland Schulden hat, sollte diese Verpflichtungen vor der Ausreise klären und sich beraten lassen.
Die gemeinnützigen Auswandererberatungsstellen sind staatlich anerkannt und arbeiten auf der Grundlage des Auswandererschutzgesetzes. Im Jahr 2007 informierten sich in 27 Auswandererberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände mehr als 27.000 Ratsuchende. Und der Beratungsbedarf steige weiter an, sagte Mertens.
Letzte Änderung am: 18.09.2008, 11.46 Uhr