Seite vorlesen:
Die Autorin Karin Hunn hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und die Anwerbung von Arbeitskräften aus der Türkei genauer untersucht. In der Studie wird auch die Ausstellung und die Arbeit von SWR International gelobt.
Das 50-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei fällt in eine Zeit, in der wieder engagiert über die Notwendigkeit der Zuwanderung diskutiert wird. Türkische Gastarbeiter haben das westdeutsche Wirtschaftswunder der 60er Jahre mit ermöglicht. Ihre Familien und Kinder gehören inzwischen zu Deutschland wie Mesut Özil in das Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft.
Vor diesem Hintergrund, hat die Autorin Karin Hunn, im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und in Partnerschaft mit SWR International, mit der Studie "Arbeitsplatz Deutschland, Heimat Türkei?" die Anwerbung von Arbeitskräften aus der Türkei im Kontext der bundesdeutschen Ausländerbeschäftigungspolitik genauer untersucht.
Dabei wird deutlich, dass beide Nationen 1961 die späteren Auswirkungen der Anwerbung unterschätzt haben. Im Bundesarbeitsministerium wurde sie damals vom Umfang her als "nicht sehr bedeutend" eingestuft. Der Text des Abkommens war lediglich im Bundesarbeitsblatt, anstatt wie sonst üblich, im Bundesanzeiger nachzulesen. Die Motive für die Gewinnung der Arbeitskräfte kamen aber nicht nur aus der damaligen Arbeitsmarktpolitik. Auch außenpolitische Ziele wurden verfolgt, weshalb das hierfür zuständige Ministerium eine Hauptrolle bei der Realisierung des Abkommens spielte.
Die starke Fokussierung der Bundesregierung auf eine Ausländerbeschäftigungspolitik führte letztendlich dazu, dass eine strategisch betriebene Zuwanderung kaum eine Rolle spielte und Anfang der 70er Jahre die Anwesenheit der angeworbenen Arbeitskräfte mit ihren Familien zunehmend als problematisch und unbeabsichtigt angesehen wurde. Seit 2005 hat die Bundesrepublik nun ein Gesamtkonzept für Integration auch wenn nach wie vor viele Fragen aus der Praxis unbeantwortet bleiben.
Für die aktuelle Debatte um Zuwanderung und Integration kann das Jubiläum auf jeden Fall eine Chance sein. In Deutschland wurden aus türkischen "Gastarbeitern" "Mitbürger", "Zuwanderer" und in vielen Fällen Deutsche. 50 Jahre deutsch-türkischer Migrations- und Integrationsgeschichte bieten also einen reichhaltigen Erfahrungsschatz, der nur gehoben werden muss. Und: Um eine erfolgreiche Einwanderungspolitik zu betreiben, braucht man ein historisches Gedächtnis.
Letzte Änderung am: 03.11.2011, 10.59 Uhr