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Migranten werden nach Ansicht von Ärzten im deutschen Gesundheitssystem diskriminiert. Zudem sind sie bei Präventionsangeboten unterrepräsentiert, kommen dafür häufiger zur Notfallambulanz. Viele Fehldiagnosen basieren auf kulturbedingten Missverständnissen.
Migranten werden nach Ansicht von Ärzten im deutschen Gesundheitssystem diskriminiert. Fehldiagnosen und
mangelnde Prävention bei Patienten mit ausländischem Hintergrund seien Anzeichen dafür, dass das System mit den Bedürfnissen dieser Patienten überfordert sei, sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Elif Duygu Cindik, in einem ddp-Gespräch. Die deutsche Psychiaterin mit türkischen Wurzeln hatte selbst nie Integrationsprobleme. Seitdem die in Istanbul geborene und in Frankfurt am Main aufgewachsene Ärztin jedoch in einer schwäbischen Klinik vor allem Patienten mit Migrationshintergrund betreut, kommt sie um Integrationsfragen nicht mehr herum. So leitet sie heute ein interkulturelles Expertenteam.
"Vieles deutet daraufhin, dass sie im deutschen Gesundheitssystem nicht präsent sind, weil sie oft nicht wissen, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen können und an wen sie sich wenden können", sagte die Oberärztin einer Fachklinik im oberschwäbischen Bad Saulgau. So seien Migranten bei Präventionsangeboten unterrepräsentiert, kämen
dafür umso häufiger zur Notfallambulanz. "Sie kommen oft erst in letzter Minute", sagte Cindik. Dies verursache gravierende Kosten. Viele Fehldiagnosen basierten zudem auf kulturbedingten Missverständnissen. "In manchen Ländern gibt es ein anderes Krankheitsverständnis. Viele Migranten schildern ihre Krankheitssymptome etwa nicht organbezogen. Sie beschreiben ein komplettes Unwohlsein. Wir müssen mit unserem westlichen Krankheitsverständnis dann herausfinden, was der Patient uns sagen will und was die Ursache seiner Beschwerden ist", sagte sie.
Darüber hinaus gebe es Studien, wonach Migranten bei den typischen Kenngrößen für Volksgesundheit wie Säuglingssterblichkeit, Zahngesundheit oder Impfungsraten deutlich schlechter abschnitten als Deutsche. Um dies besser verstehen zu können, müssten Krankenhäuser künftig auch die ethnische Zugehörigkeit ihrer Patienten erfassen,
forderte die Migrantenexpertin der bayerischen Landesärztekammer. In anderen Einwanderungsländern wie den USA sei die Erfassung ethnischer Zugehörigkeit ganz normal. Es gehe darum, soziale Unterschiede wie schlechtere Wohn- oder Arbeitsbedingungen und unterschiedliche Krankheitsrisiken früh zu erkennen.
Die interkulturelle Ausbildung von Ärzten müsse zudem in die Lehrpläne der Universitäten, forderte Cindik. Wissenschaftler hätten bereits 2002 einen Forderungskatalog zur besseren psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Migranten gestellt, die Sonnenberger Leitlinien. Diese müssten endlich Beachtung finden.
Letzte Änderung am: 09.03.2010, 15.52 Uhr