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Imame in Deutschland haben aus Sicht des Islamwissenschaftlers Rauf Ceylan eine Brückenfunktion, können sie aber bisher kaum ausüben. „Sie sind gesellschaftlich stumm. Mehr als neunzig Prozent der Imame stammen aus dem nicht-europäischen Ausland“, sagte Ceylan.
Imame erfüllten für die Muslime in Deutschland nicht mehr nur die Rolle des Vorbeters, sondern hätten auch wichtige Aufgaben als Sozialarbeiter, Schuldner- und Eheberater übernommen. Bei guter Ausbildung könnten sie auch Jugendliche gegen extremistische Ideen immunisieren. Besonders gebraucht würden fähige Imame als Gefängnisseelsorger für die vielen muslimischen Insassen in den Haftanstalten.
Der 33-Jährige Ceylan ist Professor für Religionswissenschaft an der Universität Osnabrück. Dort sollen in zwei bis drei Jahren die ersten angehenden Imame ihr Studium in Deutschland aufnehmen. Der türkischstämmige Religionspädagoge plädierte für die Verankerung eines europäischen Islam in Deutschland. Deshalb seien insbesondere Theologen aus Bosnien geeignete Anwärter für den Beruf des Imams. „Dort wird ein europäisch geprägter Islam gelehrt, da weht ein anderer Wind als in der Türkei oder in den arabischen Ländern.“ Bisher gebe es unter den Imamen hierzulande «keinen wissenschaftlichen Disput“, so Ceylan. „Es werden ausschließlich ausländische Autoritäten zitiert. Europäisch-muslimische Vorbilder existieren noch nicht in Europa.» Es gebe aber hohe Bewerberzahlen für die Ausbildungsgänge in Osnabrück. Zudem fördere das politische Klima in Deutschland einen liberalen Islam. Die Freiheit des Grundgesetzes entspreche den islamischen Grundsätzen sogar eher als die streng staatlich kontrollierte Imamausbildung etwa in der Türkei, meinte der Wissenschaftler.
Letzte Änderung am: 01.03.2010, 14.05 Uhr