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Neue Studie  Vorurteile gegenüber Migranten

Fast jeder zweite Europäer hat Vorurteile gegenüber Migranten, religiösen Gruppen oder Minderheiten. Dies geht aus einer Studie des Bielefelder Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung und der Amadeu Antonio Stiftung zu "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Europa" hervor, die in Berlin vorgestellt wurde.

Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung seien Indikatoren der Fähigkeit einer Gesellschaft unterschiedliche Personen und Gruppen zu integrieren, so die Studie. Negative Einstellungen gegenüber benachteiligten sozialen Gruppen und gegenüber Vielfältigkeit im Allgemeinen würden die Integration, das friedliche Miteinander und den Sozialen Zusammenhalt hemmen.

In den osteuropäischen Ländern sei "Menschenfeindlichkeit" am stärksten verbreitet, am niedrigsten sei sie in den Niederlanden. Deutschland liegt nach den Ergebnissen in allen Kategorien im Mittelfeld. Vorurteile werden nach Ansicht der Verfasser der Studie vor allem dann geschürt, wenn die Menschen ihre wirtschaftliche Lage und ihre Werte-Vorstellungen durch eine Minderheit bedroht sehen

Welche Gruppen werden benachteiligt ?

Das Projekt zielt nach Meinung der Experten darauf ab das Ausmaß von Vorurteilen gegenüber verschiedenen Adressatengruppen zu erfassen. Dabei ging es um Einwanderer, ethnisch-kulturelle Minderheiten, Juden, Muslime, Frauen, homosexuelle, obdachlose und behinderte Menschen. Außerdem analysierte die Studie die wichtigsten Ursachen von Vorurteilen sowie Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den europäischen Ländern.

Nach der Studie sind 50 Prozent der Europäer der Meinung, dass in ihren Ländern zu viele Migranten lebten, 43 Prozent lehnten gleiche Rechte für Homosexuelle ab. Unter den Religionen kämpft der Islam mit den größten Vorurteilen. "Wir haben in allen Ländern eine ausgesprochen hohe negative Einstellung gegenüber Muslimen", sagte Projektleiter Prof. Dr. Andreas Zick. Demnach hielten 54 Prozent der Europäer den Islam für "eine Religion der Intoleranz", in Deutschland sind es 53 Prozent. 22 Prozent aller Befragten unterstellten zudem, dass die Mehrheit der Moslems den Terrorismus rechtfertige. 62 Prozent der Europäer sind der Meinung, Juden bereichern ihre Kultur. In Deutschland stimmten dem 69 Prozent zu..

Europäische Studie

Für das Projekt wurden acht Länder ausgewählt: Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Italien, Portugal, Polen und Ungarn. Diese Länder umfassen sowohl alte als auch neue EU Mitglieder mit unterschiedlicher Integrationspolitik, Einwanderungsgeschichte und -quote sowie unterschiedlichem allgemeinem Wohlstand. Im Winter 2008/09 wurde eine telefonische Befragung durchgeführt. In jedem Land wurden 1000 Personen ab einem Alter von 16 Jahren befragt, die für die Staatsbürger jedes Landes repräsentativ sind.

Letzte Änderung am: 13.11.2009, 16.24 Uhr