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Viele Erwachsene regen sich darüber auf - über die ganz eigene Sprache der Jugendlichen. Sätze werden verkürzt, bis die ursprüngliche deutsche Grammatik oder die ursprünglichen Wörter kaum noch zu erkennen sind. Sprachforscher aber sehen darin eine eigene Jugendsprache.
"Kiez-Deutsch" nennt es die Sprachforscherin Heike Wiese aus Berlin, wenn Jugendliche Sätze radikal verkürzen und die Grammatikregeln nicht beachten. Aus dem hochdeutschen Satz "Du musst zum Frisör" wird im Kiez-Deutsch dann zum Beispiel der Satz "Musstu Frisör". Oder mancher Jugendliche sagt: "Machst du rote Ampel" anstelle von "Du gehst bei Rot über die Straße."
Doch das bedeutet nicht, dass die Jugendlichen kein "richtiges" Deutsch können, meint die Sprachforscherin. Die meisten von ihnen könnten Hochdeutsch. Vielmehr sei das Kiez-Deutsch eine Art Zweitsprache. Jugendliche, die so reden, wollen nach Ansicht von Heike Wiese zweierlei: verhindern, dass die Erwachsenen alles sofort verstehen und gleichzeitig erreichen, dass sich Menschen über die Jugendsprache ärgern.
Die Sprachforscherin aus Berlin hat untersucht, wie die Kiezsprache funktioniert: Einerseits werden Wortteile oder Wörter weggelassen. Andererseits werden mehrere Wörter zusammengezogen. Aus "Lass uns mal" wird so das kürzere "Lassma". Auch Wörter aus anderen Sprachen finden Eingang in das Kiez-Deutsch, so Heike Wiese - besonders aus dem Arabischen oder dem Türkischen.
Eine Gefahr für die deutsche Sprache sieht die Sprachforscherin in der Jugendsprache nicht. Das Kiez-Deutsch sei vielmehr eine Bereicherung. Davon will Heike Wiese auch ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Akademie der Wissenschaften überzeugen. Auf einer Tagung der Akademie wird sie am 27. Mai ihre Forschungsergebnisse vorstellen.
Letzte Änderung am: 25.05.2009, 16.49 Uhr