Seite vorlesen:
Euphorisch wurde am 10. September 1964 der millionste „Gastarbeiter“ in Deutschland von Presse, Funk und Fernsehen willkommen geheißen. Nun wurde er als "Geist" interviewt.

„Großer Bahnhof für einen kleinen Mann in Köln-Deutz“ sprach der Rundfunkreporter in sein Mikrofon. Der Vertreter der Arbeitgeber lobte die ausländischen Arbeitskräfte, überreichte dem 38-jährigen Portugiesen Armando Sá Rodrigues ein Diplom und schenkte im ein Moped. Auch andere „Gastarbeiter-Jubilare“ erhielten Geschenke. „Alles was schreiben, filmen und Töne aufnehmen konnte, war da“, erinnert sich ein Augenzeuge, als der 500.000-ste ausländische Arbeitnehmer in Baden-Württemberg am Stuttgarter Hauptbahnhof eintraf. Schon bald mehrten sich jedoch in Medien, Gesellschaft und Politik die Stimmen, die vor der zunehmenden Ausländerbeschäftigung warnten:
Spiegel vom 30.7.1973 "Die Türken kommen – rette sich wer kann“ schrieb der Spiegel in einer Titelgeschichte 1973. Bildunterschrift: "Türkische Arbeiter in der Bundesrepublik: "Wenn das so weitergeht, ersaufen wir einfach.““
Seit dem hat sich in der BRD viel verändert. In den letzten Jahren hat sich ein gewisser Wandel in Politik und Medien hin zu einem positiveren „Ausländerbild“ vollzogen: weg vom „Gastarbeiter bei der Müllabfuhr“ hin zum „Gesuchten Computerspezialisten“. Die Erkenntnis, dass wir auf Grund des Bevölkerungsrückgangs verstärkt auf Einwanderung angewiesen sind, hat sich in Politik und Medien niedergeschlagen.
Der Freiburger Wahlkreis 100 % ist eine unabhängige, ehrenamtliche Organisation, die sich seit 2002 für Integration und Partizipation, konkret das gleichberechtigte Wahlrecht von Migrantinnen und Migranten einsetzt. Sie haben auf ihrer Internetseite einen Film, in dem sie den 1-millionsten Gastarbeiter als "Geist" interviewen.
Letzte Änderung am: 30.03.2009, 15.49 Uhr