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Internationaler Tag der Muttersprache   "Ti amo" oder "Ich liebe Dich"

Sprache zwischen Herz und Verstand

Es gibt Dinge, die kann man nur in seiner Muttersprache sagen – da fühlt man sich darin richtig wohl. Doch wie ist es wenn man zwei Sprachen spricht? Welche nutzt man dann wann?

Es ist keine Seltenheit, dass viele Menschen gleich zwei Sprachen als ihre Muttersprache bezeichnen, zum Beispiel deutsch-türkisch, deutsch-italienisch, deutsch-griechisch, usw. Doch wann spricht man die eine und wann die andere Sprache?

Beatrix Diko zählt gerne in ihrer Muttersprache rumänisch. Das geht einfach schneller, sagt sie. Der türkischstämmige Kerim dagegen träumt auf deutsch. "Es ist die Sprache, in der ich mich bewege und lebe", erzählt er. In seinen Träumen würde er den Tag auch dementsprechend in deutscher Sprache reflektieren.

"Privat" oder "öffentlich"

Anna Labrinakou hat sich bislang keine Gedanken über ihre "Traumsprache" gemacht. Für sie ist deutsch die "öffentliche" Sprache und griechisch die "private". Eine Unterscheidung, die sie auch zu Hause macht. "Wenn ich etwas aus meinem Berufsleben erzähle, dann mache ich das auf deutsch, das fällt mir leichter. Wenn ich aber über private Dinge spreche oder auch über Griechenland, dann mache ich das auf griechisch", erklärt Anna Labrinakou.

Privat, das kann auch der Umgang mit einer Person sein, zum Beispiel, der Freund oder Freundin. Wenn Beatrix ihrem Freund etwas sagen möchte, was nur ihn betrifft, dann spricht sie rumänisch, damit andere sie nicht verstehen, eben etwas Persönliches.

"Die Sprache des Herzens"

Für Kerim Arpad sind sowohl das Deutsche als auch das Türkische, Muttersprachen. Das eine, die Muttersprache des Vaters, das andere die Sprache der Mutter und deswegen beide gleich wichtig. Doch wie ist es, wenn er sich ärgert? "Ich fluche eher auf türkisch, weil man da mehr Emotionen hat, Sachen sagen kann, die nicht jeder gleich versteht, wenn man das so laut sagen würde". Türkisch ist für ihn "die Sprache des Herzens".

Wie ist es aber in Situationen trauter Zweisamkeit. Die Muttersprache ist bei Anna Lambranikou, "die Sprache der Gefühle". Deswegen bekommt ihr Mann Liebesworte nur auf Griechisch zu hören.

Eine gute Mischung

Doch beim Einsatz der Muttersprachen geht es nicht nur um "entweder oder…", sondern auch um "sowohl als auch…". Wenn zum Beispiel einem nicht auf Anhieb der deutsche Begriff einfällt. Bei Behördengängen fallen auch meist die deutschen Bezeichnungen. Mitten in einem türkischen oder griechischen Satz hört man das Wort "Rathaus" oder "Bürgermeister" auf. Oder man fährt mit der "S-Bahn" oder geht zum "Bahnhof".


Internationaler Tag der Muttersprache
Auf Vorschlag der UNESCO haben die Vereinten Nationalen den 21. Februar als Internationalen Tag der Muttersprache ausgerufen. Er wird seit 2000 jährlich begangen. Von den rund 6.000 Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, sind nach Einschätzung der UNESCO die Hälfte vom Verschwinden bedroht.

Anna Koktsidou / Cüneyt Özadali

Letzte Änderung am: 21.02.2013, 11.07 Uhr