aus der Sendung vom Dienstag, 20.12.2011 | 18.10 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Wir Deutschen lassen besonders gerne die Gläser klingen. Fast vier Liter Sekt trinkt jeder von uns im Jahr. Damit sind wir weltweit Spitzenreiter. Wer beim Sektgenuss auch ein bisschen Rücksicht auf die Natur nehmen will, der kauft sich am besten Bio-Sekt aus der Region. Z.B. in der Sektkellerei Sieben in Dorsheim bei Bingen - der ersten reinen Öko-Sektkellerei Deutschlands. Vielleicht war es ja ein Vorteil, dass Kellermeister Joachim Sieben nicht aus einer alteingesessenen Winzerfamilie kommt. „Ich bin ein klassischer Quereinsteiger. Ich habe mich einfach für Wein und Sekt interessiert - sogar schon als Kind.“ Für rund 30 Winzer macht er heute regelmäßig edle und prickelnde Köstlichkeiten. Wichtigste Voraussetzung: alle Weine müssen ökologisch angebaut sein. Das heißt, die Trauben dürfen nicht mit chemischen Giften gespritzt werden und statt künstlichem Dünger darf der Boden im Weinberg nur mit Mist gedüngt werden. Und die Pflanzen trotzdem vor Pilzen zu schützen, werden sie mit weniger schädlichem Schwefel und Kupfer besprüht. Auch während der Weinproduktion gibt es wichtige, ökologische Vorschriften. So darf weder der Most noch der Wein mit umweltschädlichen Stoffen behandelt werden.
Und wie wird aus Wein nun perlender Sekt? Zum Wein wird zunächst Bio-Hefe- und Zucker hinzugegeben. Dann heißt es mindestens neun Monate ruhen. Während dieser Gärung entstehen Alkohol und Kohlensäure - und die ist besonders wichtig, denn erst sie lässt den Schaumwein so schön perlen. Wenn der Sekt lange genug gereift ist, werden die Flaschen zwei Wochen lang gerüttelt und immer steiler aufgestellt. So sammelt sich die Hefe ganz unten im Flaschenhals und kann dann ohne Probleme entfernt werden. Dann wird nur noch der Süßegrad abgestimmt, der Korken auf die Flasche gesetzt und fertig ist der Sekt. Die klassische Flaschengärung macht übrigens beim Sekt den Unterschied und die Qualität aus. Denn die billigeren Sekte und auch der populäre Prosecco müssen meistens in riesigen Stahl-Tanks reifen. Seine Bezeichnung von brut nature bis mild erhält der Sekt je nach seiner Süße. So ist z.B. im brut nature, dem Trockensten von allen, gerade mal ein halber Zuckerwürfel enthalten. Im Trockenen dagegen sind es über sechs und im Halbtrockenen, dem Süßesten, fast elf Zuckerwürfel.
Neben all den Sekten für andere Winzer, vermarktet die Familie Sieben auch ihre eigene Sektkollektion. Unverkennbares Markenzeichen der Kellerei ist das Rebhölzchen an jeder Flasche. Und Joachim Sieben ist bundesweit sogar der Einzige, der auch Bio-Champagner herstellt. Champagner, genauer gesagt der Cuveé - wie man Champagner nennt, der nicht aus der Champagne stammt - muss aus drei speziellen Rebsorten bestehen! Einem Chardonnay, einem Schwarzriesling und einem Spätburgunder. Sekt besteht dagegen meistens nur aus einer Rebsorte. Und - der Champagner reift in der Regel doppelt so lange, damit er noch feinperliger und schäumender wird.
Zum Umgang mit den prickelnden Köstlichkeiten noch 3 Tipps vom Fachmann Joachim Sieben: 1. Der Sekt sollte möglichst frisch getrunken werden. 2. Man sollte darauf achten, Sekt und Champagner kühl und dunkel zu lagern. 3. Um den prickelnden Charakter zu erhalten sollte man auf Silberlöffel in der Flasche verzichten und besser einen richtigen Sektverschluss verwenden. Und noch ein Tipp von uns! Schaumweinschalen sind out. Wer es richtig machen will, der benutzt Tulpen- oder Flötengläser. Damit kann man dann auch gebührend an Weihnachten oder Sylvester miteinander anstoßen.
Ansprechpartner: Joachim Sieben
Binger Straße 1
55452 Dorsheim a.d. Nahe
Tel: 06721/994405
Fax: 06721/498999
Letzte Änderung am: 19.12.2011, 13.02 Uhr