Das Natur- und Umweltmagazin für Rheinland-Pfalz
aus der Sendung vom Dienstag, 20.7.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Ein Nanometer = ein Milliardstel Meter. Eine Kugel mit einem Nanometer Durchmesser verhält sich zu einer Kugel mit einem Meter Durchmesser wie eine Haselnuss (andere Quellen sagen: wie ein Fußball, wieder andere: wie ein Tennisball) zur Erdkugel. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat vor wenigen Wochen empfohlen, auf die Verwendung sog. "Nanosilbers" in, wie es heißt, "verbrauchernahen Produkten" zu verzichten. Der Grund: Eine "abschließende Beurteilung" des Gesundheitsrisikos sei derzeit nicht möglich. Verbrauchernahe Produkte, in denen Silberpartikel eingesetzt werden, sind zum Beispiel Kühlschränke oder Sportsocken (die Produzenten setzen auf die antibakterielle Wirkung von Silberionen).
Zunehmend werden Silberpartikel in Nanogröße (Durchmesser kleiner als 100 Nanometer) verwendet; deren Eigenschaften unterscheiden sich aber von denen größerer Partikel des gleichen Stoffs. Hinsichtlich ihrer Wirkung (Aufnahme über die Haut oder die Lunge) auf den menschlichen Organismus besteht weiterer Forschungsbedarf. Doch Nanosilber ist nur einer von vielen Nano-Stoffen, die sich in immer mehr Produkten finden. Autolacke- und Reifen, Fliesenmörtel, schnellfließende Kunststoffe, Kosmetika, Zahnpasta und nicht zuletzt medizinische Präparate - die Produktion von Nano-Strukturen ist eine gigantische Wirtschaftsmaschine. Angeblich hängen in der BRD 60 000 Arbeitsplätze von der Nanotechnologie ab. Immer mehr Unternehmen setzen auf Nano (auch für die BASF ist die Nanotechnologie ein wichtiges Geschäftsfeld).
Doch auch in der Natur finden sich zahlreiche Effekte, die auf Nano-Strukturen beruhen; Beispiele sind etwa der Lotus-Effekt (Selbstreinigung von Blättern durch nanoskalige Fett-Kristalle), der Hafteffekt an Gecko-Füßen (Hafthärchen mit Spitzen im Nanobereich) oder die Schuppen des Sandskinks (einer Wüsteneidechse), die immer glänzen, obwohl die Tiere quasi dauernd in "Schmirgelpapier" leben (nanoskalige "Kämme" auf den Schuppen fischen die Schmirgelpartikel aus dem Sand).
Den enormen Chancen der Nanotechnologie (wirtschaftlich, medizinisch) stehen mögliche Risiken gegenüber. Diese Partikel verhalten sich nicht nur anders als größere Strukturen des gleichen Stoffs, sie können auch über die Lunge in den Blutkreislauf und ins Gehirn vordringen (Tierversuche). Und ins Innere der Zellen können sie ebenfalls gelangen (Versuche mit Zellkulturen). Andererseits möchte man genau diese Fähigkeit künftig verstärkt medizinisch nutzen (Nanoteilchen transportieren als "Trojanisches Pferd" Wirkstoffe in die Zelle).
Literaturtipp:
Nano! Nutzen und Visionen einer neuen Technologie
Katalog zur gleichnamigen Sonderausstellung
Technoseum (Landesmuseum für Technik und Arbeit)
Museumsstraße 1, 68165 Mannheim
Letzte Änderung am: 16.07.2010, 18.12 Uhr