aus der Sendung vom Dienstag, 31.8.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Mit seinem niedlichen Gesicht und seidigen Fell wusste der Nager alle für sich einzunehmen. Dabei hat er es faustdick hinter den Schnurrbarthaaren: Mit seinen Zähnen knackt er Bäume mit einem Durchmesser bis zu einem halben Meter. Wo ein Biber sich einnistet, bleibt nichts mehr wie es war und gerade das finden Biberliebhaber an ihm anziehend: er erweist sich immer wieder als genialer Landschaftsarchitekt. Rund 70 Tiere soll es wieder an verschieden Standorten in Rheinland-Pfalz geben. Mehr als 50 davon in der Eifel. Biber sind auf dem Vormarsch, auch in den Nachbarländern, wie dem südlichen Nordrhein-Westfalen, Belgien, Luxemburg und vor allem an Flüssen und Bächen im Saarland, wo es mittlerweile sogar über 400 geben soll.
Lange ging man davon aus, dass sie alle heimische, also europäische Biber sind, zum Teil aus Frankreich oder aus dem Osten eingewandert. Stefanie Venske vom Biberzentrum Rheinland-Pfalz war lange sehr stolz, dass es gelungen war, die nachtaktiven Nager anzulocken. Bis ein Anruf aus Luxemburg kam: Die zufällige Untersuchung eines überfahrenen Bibers - vermutlich aus der Eifel gekommen - hatte gezeigt: Das Tier war kein europäischer, sondern ein kanadischer Biber. Wahrscheinlich war er aus einem Zoo in Pronsfeld in der Eifel ausgebüchst.
Das Problem: Äußerlich sind kanadische und europäische Biber eigentlich nicht zu unterscheiden. Aber genetisch sind sie vollkommen verschieden: Kanadische vermehren sich schneller, sind robuster und anspruchslos, was ihre Nahrung betrifft. Sie können sich also besser durchsetzen. Deshalb sind sie eine Gefahr für unsere heimischen, europäischen Biber. Das Problem verschlimmert sich noch durch den Umstand, dass in den Nachbarländern von Rheinland-Pfalz an den Flussläufen hauptsächlich europäische Biber leben. Vor allem in Luxemburg und Belgien fürchtet man nun, dass die kanadischen Einwanderer aus Rheinland-Pfalz über die Grenzen drücken und die europäischen Tiere verdrängen.
Das Umweltministerium Rheinland-Pfalz hat reagiert und Anfang 2009 die kanadischen Tiere aus dem Eifelzoo entfernen lassen und an anderer Stelle sicher untergebracht. Zudem werden nun alle Biber genetisch getestet. Die Kanadier werden kastriert und vor Ort an ihrem Heimatbau belassen, so dass niemandem sein liebgewonnener Biberfreund genommen wird. Da die Lebenszeit der Biber nur 6 Jahre beträgt, schätzt man, dass die kanadischen in 3 bis 4 Jahren auf diese Weise aussterben werden und die europäischen Biber nachrücken können. Eine Lösung, die sowohl den Tierschutz, als auch den Artenschutz zufriedenstellt.
Naturerlebniszentrum Wappenschmiede
Ansprechpartner: Stefanie Venske
Am Königsbruch 2
Fischbach bei Dahn
Tel: 06393/993406
Letzte Änderung am: 27.08.2010, 18.11 Uhr