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Goethe und Pflanzen "Ist es ein lebendig Wesen"

Sendung vom Dienstag, 31.8.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Das bekannteste und populärste Bild von Goethe ist das von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Da posiert der Dichterfürst auf seiner Italienreise in der Campagne. Bei uns in Rheinland-Pfalz ist er auch bekannt durch seine Beschreibung der Belagerung von Mainz 1793, als die französischen Revolutionstruppen die Stadt in ihrer Gewalt hatten. Weniger bekannt ist, dass Goethe auch Botaniker und Gärtner war. Sein Garten am Frauenplan in Weimar ist weitgehend so erhalten, wie Goethe ihn hat anlegen lassen, damals, um 1800. Da war der Bauerngarten am beliebtesten. Am Haus entlang stehen Beete, an der Mauer Spaliere mit Reben. Neben vielen heimischen Gewächsen hatte Goethe sogar eine ganze Reihe von seltenen Pflanzen, die schwer zu bekommen waren. Zum Beispiel Dalien, die damals zum ersten Mal aus Mexiko importiert wurden. In seinem Garten hatte er auch Heil- und Gewürzpflanzen, Obstbäume und Gemüse angepflanzt. Ein Paradies für seine botanischen Studien. Bestellt hat den Garten allerdings seine Frau: Christiane Vulpius.

Im Laufe der Jahre entwickelte Goethe eine ganz eigene Anschauung. Die beschrieb er in seinem botanischen Hauptwerk „ Die Metamorphose der Pflanzen“. Metamorphose - das heißt Verwandlung. Zu sehen ist sie an den Wandlungen der Blätter im Lebenslauf der Blütenpflanze. Ein Tulpenblatt – zum Beispiel – kann in ganz verschiedener Gestalt und Funktion auftreten: mal als Laubblatt, mal als Blütenblatt. Goethe hat das als erster erkannt und mit der Formulierung „Alles ist Blatt“ auf den Punkt gebracht. Gemeint ist, dass sich die Laubblätter in Kelchblätter verwandeln können, in Kronblätter, bis hin zur Pollensäule mit ihren Staubfäden. Eine wichtige Erkenntnis, weil sie Architektur und Bauplan jeder einzelnen Pflanze deutlich macht.

Sein ganzes Leben lang hat sich der Universalgelehrte mit Pflanzen beschäftigt. Goethea ist eine der Pflanzen, die ihn am meisten gerührt hat. Aus Brasilien mitgebracht hat sie ein Rheinland-Pfälzer: Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied. Und Botaniker gaben ihr den Namen Goethea, um Goethe zu ehren.

Eine große Anerkennung, für die wissenschaftlichen Verdienste des Dichterfürsten. Es gibt aber nicht nur Pflanzen, die Goethes Namen tragen. In dem er sie besungen hat, kam manch Pflanze oder Baum zu einer gewissen Berühmtheit. Im West-östlichen Divan etwa, hat Goethe den Ginkgo-Baum in einem Gedicht verewigt. In Betrachtung des Ginkgo-Blatts, das eins aber auch geteilt sein kann, sinniert der Dichter:


„Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt,
sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt.

Solche Frage zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
daß ich eines und doppelt bin.


Die Verse hatte Goethe einst Marianne von Willemer geschickt, der jungen Frau des Frankfurter Bankiers von Willemer. Seitdem gilt das Ginkgoblatt allgemein als ein Symbol der Liebe oder der Freundschaft. Wo immer ein Gingkobaum steht, steht er auch zu Ehren Goethes da. So auch in Rheinland-Pfalz im Stein’schen Garten, in dem Goethe und der berühmte preußischen Minister, Staatsmann und Reformer Karl Reichsfreiherr von und zum Stein im Juli 1815 tatsächlich lustwandelt sind.



Palmengarten

Siesmayerstraße 61
60323 Frankfurt am Main

Internet:
www.palmengarten-frankfurt.de


Literaturtipp:

Stefan Schneckenburger
In tausend Formen magst du dich verstecken – Goethe und die Pflanzenwelt
Palmengarten: Pflanzen. Leben. Kultur; Sonderheft 29

Letzte Änderung am: 26.07.2010, 16.41 Uhr

Sendezeiten

Dienstags, 18.10 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wiederholungen:
Sonntags, 5.00 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Samstags, 18.15 Uhr
SWR Fernsehen in Baden-Württemberg