Im Grünen vom Samstag, 28.1. | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg
Der Winter setzt unseren Vögeln mächtig zu. Greifvögel wie Schleiereulen oder Turmfalken müssen hungern, weil sie die Mäuse unter der Schneedecke nicht sehen können – in diesem ohnehin mäusearmen Jahr. Eisvögel leiden darunter, dass Bäche und Tümpel zufrieren. Und die winzigen Zaunkönige kämpfen schlichtweg gegen das Erfrieren. Rund 90 Prozent ihrer Population - so schätzen Experten – fällt einem solch harten Winter zum Opfer.
Deshalb sind wir Menschen gefordert, den Vögeln in der kalten Jahreszeit zu helfen – und das heißt vor allem: füttern. Wie das optimal geht, hat unsere Redakteurin Corina van Lessen in ihren eigenen Garten ausprobiert. Sie hat Obst und Meisenknödel regensicher aufgehängt, dazu Energiespender mit Nüssen und Haferflocken. Jeder Vogel hat ganz eigene Bedürfnisse. Deshalb umfasste das Futterangebot die unterschiedlichsten Samenmischungen aus dem Fachhandel: beispielsweise Haferflocken und Insekten für die Weichfresser wie das Rotkehlchen. Distelsamen, Nigersaat und Hanf für die Finkenarten – und Körner mit Mais und Erbsen für die Tauben. Die Fütterung war ein voller Erfolg. Nach wenigen Tagen schon waren zehn Vogelarten mehr zu Gast als vorher.
Die Winterfütterung der Vögel ist notwendig und unter Vogel-Experten unstrittig. Hierbei kommt es vor allem darauf an, dass man artgerechte Nahrung aus dem Fachhandel verwendet und nicht einfach Essensreste verfüttert. Denn salzige und gewürzte Nahrung oder auch altes, schimmeliges Brot schaden den Vögeln. Der renommierte Vogelkundler Prof. Peter Berthold vom Max-Planck-Institut für Ornithologie plädiert sogar für eine ganzjährige Fütterung der Vögel. Doch diese These ist unter Vogelfreunden umstritten.
Seine Kritiker behaupten, dass der Mensch die Vögel durch ganzjährige Fütterung abhängig mache und das Futter den Jungvögeln schade. Das sieht Prof. Berthold anders. Seiner Meinung nach habe der Mensch im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft die natürliche Landschaft weitgehend zerstört und den Vögeln damit die natürliche Nahrungsgrundlage genommen. Wiesen und Äcker produzieren kaum noch Samen, Wildkräuter sind kaum noch zu finden. Durch die ganzjährige Fütterung gebe der Mensch den Vögeln nur wieder etwas zurück. Und das sei bitter notwendig – so Prof. Peter Berthold – wolle man die Artenvielfalt und auch die Populationsgrößen in unserer Natur erhalten.
Ganz praktische Tipps für jeden, der unseren Vögeln helfen will, bietet der Ornithologe in seinem Buch „Vögel füttern – aber richtig“.
Literaturtipp
Vögel füttern – aber richtig
Das ganze Jahr füttern, schützen und sicher bestimmen
Peter Berthold, Gabriele Mohr
Kosmos Verlag, 2008
ISBN 978-3-440-11644-9
Preis: 7,95 €
Letzte Änderung am: 19.12.2009, 00.39 Uhr