aus der Sendung vom Dienstag, 10.11.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Er dreht sich und dreht sich und dreht sich, registriert Kilowattstunde für Kilowattstunde. Der alte Drehscheibenzähler wird einmal im Jahr abgelesen, dann kommt die Rechnung. Das war’s. Das elektronische Messgerät der Zukunft dagegen ist der ‚Intelligente Stromzähler’. Er zählt auch Strom, aber er kann noch viel mehr. Martin Görlitz aus Koblenz hat ihn mit seiner Firma entwickelt.
Seine Wohnung ist deshalb zur Zeit so etwas wie ein Testlabor. Seinen Blick hat er fest auf den Verbrauch der einzelnen Geräte gerichtet. Wie viel Strom sie verbrauchen und zu welcher Zeit. Durch den Intelligenten Stromzähler und eine nachgelagerte Software soll man in Zukunft den Energieverbrauch der Geräte übers Internet in Echtzeit abrufen können. Schaltet man etwa einen Toaster ein, würde man den 1000 Watt-Stromfresser sofort entlarven. Man könnte beispielsweise eine Waschmaschine und einen Trockner programmieren. Ziel ist es, die ganze elektrische Haustechnik irgendwann über Computer und Internet zu kontrollieren – ob es darum geht, einfach nur den Roll-Laden runterzulassen oder aus der Ferne das Licht auszumachen.
Bei Görlitz in Koblenz, einem Spezialisten für Messgeräte, werden die intelligenten Zähler in Serie hergestellt – bisher aber nicht für den Privatmann, sondern für Industrieunternehmen. Das soll aber schon bald anders werden. Die Koblenzer High-Tech-Geräte sollen 100 € kosten und für Hausbesitzer erschwinglich werden. Weil sie sehr präzise sein müssen, verlassen sie das Haus erst nach strengen Funktionsprüfungen. Die ersten hundert Geräte sind jetzt schon rund um Worms im Dauereinsatz. Bei Dieter Schönbach, zum Beispiel: Er besitzt zwei von 100 Görlitz–Testgeräten und nimmt an einem Projekt seines örtlichen Energieversorgers in Worms teil. Seit einem Jahr hat er die Möglichkeit seinen Stromverbrauch Minuten genau zu verfolgen, einzelne Tage miteinander zu vergleichen und Stromräuber zu jagen. Dank seines Intelligenten Stromzählers weiß er jetzt, was er zu tun hat: Schalter aus!
Bislang sind die intelligenten Zähler eher eine Erinnerung an die Notwendigkeit von Energieeffizienz. Bürger sehen, dass sie sparen können. Umweltschützer begrüßen, dass immer mehr Verbraucher von ihren Versorgern in Pilotprojekten mit intelligenten Stromzählern ausgestattet werden. Die Unternehmen können sich langfristig von reinen Versorger zu Anbieten von speziellen Dienstleistungen wandeln und beispielsweise Know-How in Sachen Energieeffizienz verbreiten. Immerhin rund 40 Prozent der Energie werden in privaten Haushalten verbraucht. Mit intelligenten Zählern könnten zunächst einmal Waschmaschinen und Trockner mit billigem Nachtstrom versorgt werden. Die Bundesregierung will intelligente Stromzähler bei Neubauten ab 2010 zur Pflicht machen. Die Regelung gehört zum aktuellen Klimaschutzpaket der Bundesregierung.
Die Nutzung der Nachttarife soll, so eines der Ziele, auch für Normalbürger möglich werden. Mit dem aktuellen Klimaschutzpaket will die Bundesregierung den C02 Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent senken. Im Zuge der gestiegenen Energiepreise erhöhte sich die Stromrechnung in einem 3-Personen-Musterhaushalt von 40.66 Euro monatlich im Jahr 2000 auf jetzt 54.43 Euro. Das sind fast 30 Prozent mehr. Intelligente Stromzähler könnten, so glauben Energieexperten, den Stromverbrauch um rund 10 Prozent senken. Mehr als ein Viertel des Stromverbrauchs entsteht immerhin in den Haushalten. Sie verbrauchen allein über 140 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die Zeit des guten alten Drehscheibenzähler scheint abgelaufen. Allerdings summieren sich die geschätzten Kosten für den Einbau intelligenter Stromzähler in allen über 40 Millionen Haushalten auf 8 bis 10 Milliarden Euro.
In Italien, Kanada und den Niederlanden werden elektronischen Zähler zum Teil bereits flächendeckend eingebaut. Die optimale Nutzung wird durch intelligente Ein- und Ausschaltelektronik an den elektrischen Geräten möglich. Allerdings müssten die Versorger zunächst auch unterschiedliche Energiepreisangebote unterbreiten. Der Einheitstarif müsste fallen. Die Tarife könnten beispielsweise je nach Angebot und Nachfrage über Tag von Zeitintervall zu Zeitintervall schwanken oder sogar nach Wetterlage (Windstrom).
Letzte Änderung am: 03.11.2008, 11.13 Uhr