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Die Natur in Rheinland-Pfalz Vergessene Vielfalt: alte Gemüsesorten

Sendung vom Dienstag, 11.9.2007 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Christian Havenith sammelt und sichert alte Gemüsesorten. In seinem Garten hat er zum Beispiel 64 alte Bohnensorten angebaut und kommt mit der Züchtung kaum nach: Die überaus seltene Stangenbohne Gillmann etwa, musste er dringend wieder pflanzen, weil ihr Samen überaltert war. Er ist ein Detektiv im Schrebergarten der Vielfalt dem Industrieprodukt entgegensetzen möchte. In seinem Arbeitszimmer lagern er mehr als 250 Samensorten, 100 davon allein Bohnen.

Die meisten der Pflanzen sind vom Aussterben bedroht. Sein "Gemüsesortenprojekt Rheinland (+) Pfalz" ist beim BUND angesiedelt. Es hat den Erhalt alter Kulturpflanzen zum Ziel. In jahrelanger Arbeit hat Havenith ein einmaliges Regionalsortenarchiv zusammengetragen mit Raritäten wie den Ahrweiler Köksjen, der Poppelsdorfer Schwarzen Sojabohne oder der Bergweiler Monstranzbohne. Zu jeder Sorte kann er eine Geschichte erzählen. So entstand die Monstranzbohne einer Legende nach durch einen Zufall: Gerade hatte ein Klostergärtner Weiße Bohnen gesät, als sich feindliche Truppen näherten. Hastig vergrub man die kostbaren sakralen Geräte im Acker. Da geschah das Wunder: die Weißen Bohnen, die neben der Monstranz gelegen hatten, zeigten alle auch eine aufgeprägte Monstranz.

Viele seiner Pflanzen wurden über Jahrhunderte angebaut und sind jetzt doch von Aussterben bedroht. So die Kecherlinge, die Speiseplatterbsen aus der Pfalz. Mehr als 30 Erbsensorten hat er gesammelt, manche haben nur überlebt durch die berühmte St. Petersburger Genbank.
Christian Havenith hat in seinem Garten eine Art Arche Noah der vergessenen Sorten. Sie sind optimal an Boden und Klima der Region angepasst, oft mit besonders hoher Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Frost oder Trockenheit und haben besonders wertvolle Inhaltsstoffe. Kräuter wie Duftnessel, japanischer Wermuth, oder Echinacea dürfen in seiner Arche nicht fehlen.

Auch die Pfälzer Minze nicht, die älteste Sorte Deutschlands. Im Steingarten verspricht aromatischer wilder Rucola Gaumenfreuden, die kein Salat aus dem Supermarkt hergibt. Gelbe Tomaten wird man dort auch nicht finden. Gegen die einheitliche Normierung des Marktes kontert Havenith mit 40 verschiedenen Sorten und der entsprechenden geschmacklichen Vielfalt. Anders als bei den meisten Sorten im Handel sind seine Samen auch in den Folgejahren vermehrbar. Dem Verlust der alten, vergessenen Sorten steuert Havenith mit seinem Gemüsesortenprojekt entgegen. Er ist dabei ein Netz von Paten aufzubauen, die mit ihm die vom Aussterben bedrohten Pflanzen mit züchten und bewahren. Jeder kann mitmachen und neue Sorten mit entdecken und damit auch eine neue geschmackliche Vielfalt.

Gemüsesortenprojekt "Rheinland (+) Pfalz

Christian Havenith
Auf der Esch 24
56653 Wassenach

E-Mail:
gemuesesorten@aol.com

Letzte Änderung am: 12.09.2007, 00.00 Uhr