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Maßnahmen voller Widersprüche Eifeler Förster schreibt gegen den Naturschutz

aus der Sendung vom Dienstag, 9.2.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

"Zu Tode geliebt – wie Naturschützer die Natur abschaffen". Das ist eine provokante These des Försters und Buchautors Peter Wohlleben, der seine Stellung bei der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz aufgab, um seine Vorstellungen von einem ökologisch wie ökonomisch vertretbaren Naturschutz als Förster eines 1.200 Hektar großen Waldgebietes in der Eifel umzusetzen. Wohlleben meint, Naturschützer würden statt ursprünglicher Natur vielmehr ein romantisch verklärtes Bild von der Natur schützen. Dies sei aber eine von Menschen gemachte Kulturlandschaft.

So würde die Holzwirtschaft mit Panzerketten und Motorsägen ursprünglichen, hochwertigen Baumarten wie der Buche zu Leibe rücken und damit in Kauf nehmen, dass der Waldboden zerstört wird. Die Weinbergterrassen im Mittelrheintal sind vom Menschen geschaffen. Ihrer Verbuschung rückt man mit Brandrodung zu Leibe, dabei erobert sich die Natur nur ursprünglichen Lebensraum zurück. Aber verbuschte Terrassen schaden dem Tourismus und deshalb besorgen Ziegen in den Weinbergen dem Gestrüpp den Rest.

Je mehr regulierende Eingriffe, umso schlechter für die Natur, meint Wohlleben. Ein anderes Negativbeispiel: der Kormoran war lange vom Aussterben bedroht. Jetzt sind Überlegungen im Gang, ihn wieder zum Abschuss freizugeben, weil er Fische frisst und deshalb Angler zum Feind hat. Gibt es aber Schutz für die Fische und keinen Schutz für Vögel, die Fische fressen ?

Ein Tier wie das Haselhuhn ist aus der Taiga in unsere Wälder eingewandert, hat da eigentlich nichts verloren. Aber wegen seiner Seltenheit werden von Tierschützern gleich Schutzzonen gefordert. Voller Widersprüche steckt unser Naturschutz, meint Förster Wohlleben. Er fordert vielmehr ein Bewusstsein, das mehr auf die Selbstregulierung durch die Natur vertraut anstatt einen gut gemeinten Naturschutz gegen die Natur zu betreiben.


Peter Wohlleben

Münstereifeler Straße 27
53520 Hümmel
Tel: 0171-5265706

E-Mail:
foerster@peter-wohlleben.de


Literaturtipp:

Peter Wohlleben
Naturschutz ohne Natur, Von den Grenzen der Umweltpolitik
wjs Verlag Berlin
18 €
erscheint Ende März 2009

Letzte Änderung am: 10.03.2009, 13.03 Uhr