aus der Sendung vom Dienstag, 16.3.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Johannes Hill hat uns geführt. Er ist Umweltberater der Stadt Trier und lädt schon seit elf Jahren zu so genannten „Energie-Touren“ ein. Die Bustouristen – wie auch unsere gut 30 Personen starke Gruppe - besuchen dabei Privathäuser: bewohnte Alt- und Neubauten, die oft gleichzeitig auch noch „Baustellen“ sind. Denn gerade was ökologisches und energiesparendes Bauen betrifft, ist die Entwicklung in den letzten Jahren rasant fortgeschritten. Wer den Ehrgeiz hat, immer noch mehr Energie einzusparen, kommt ums „Weiterbauen“ gar nicht herum! Johannes Hill zeigt uns sein eigenes Wohnhaus – mit Grasdach, Solaranlage, Pelletsheizung, Lehmputz, Lüftungsanlage und anderem mehr. Das untere Stockwerk wird noch einmal wärmegedämmt, mit einer 30 cm dicken Hanfschicht.
Lieblingsplatz für Besucher und Bewohner ist ohne Zweifel die Ofenbank. Da hat Familie Hill sich einen Kachelofen erster Güte geleistet – und dafür eben aufs Auto verzichtet. Der Kaminofen heizt nicht nur das gesamte Obergeschoss, sondern sorgt auch für Warmwasser und gibt über Wärmetauscher noch 40 Prozent Restwärme an den Keller und das Erdgeschoss ab. Nur achtmal im Jahr Asche entfernen? Nur ein oder höchstens zwei Körbe Holz pro Tag (mit zehn Kilogramm Holz pro Korb) braucht der Ofen? Tatsächlich? Die Teilnehmer können es kaum glauben, fühlen sich aber auf der Kaminbank gleich noch mal so wohl.
Erste Station der Öko-und Energietour war – nach der Begrüßung am Rathaus, auch durch den Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen- ein Altbau von 1951: ein bescheidenes Eisenbahner-Häuschen. Der langjährige Vorsitzende des Trierer Solarvereins, Matthias Gebauer, hat es als Hobby-Handwerker energetisch sozusagen aufgerüstet, mit drei Solaranlagen, Fassaden-Mineralwoll-Dämmung, vorgesetzten Fenstern in Dreifachverglasung, Nahwärmenetz mit dem Nachbarn etc.. Im Bild erläutert Matthias Gebauer, wie er auf zwei Quadratmetern transparente Wärmedämmung nach dem „Prinzip Eisbärfell“ eingesetzt hat: in kleinen Glasröhren der Firma Schott - auf schwarzem Untergrund - fängt sich die Sonne. Dieser Teil der Fassade ist damit Dämmung und Wärmespeicher zugleich.
„Das erste Strohhaus Deutschlands“ hat ein Bauer aus Trier gebaut. Peter Weber präsentiert es uns stolz. Inzwischen sieht man natürlich kaum noch Stroh: die Wände sind lehmverputzt, der Fußboden aus Holz. Doch Fundament und Wände bestehen tatsächlich selbsttragend aus 95 großen Strohballen des Trierer Landwirts, dicht gepresst mit einer gängigen Strohpresse. So fest, dass da keine Maus ‚reinkommt. Sonst noch Fragen zum Strohhaus? Es hat Passivhausstandard, kann mit High-Tech-Wärmedämmung konkurrieren, ist schwer entflammbar – und vielleicht nur zu billig, um bisher Nachahmer zu finden? Bauer Weber hat – im Besitz des Bauplatzes und des Grundbaustoffes Stroh- mit allerdings hohem Anteil von Eigenleistung – rund 65.000 Euro investiert. Das kann ja nix sein, meint er selbst – im Vergleich zur landesüblichen Villa für 250.000 Euro. Oder??? Und hält denn so ein Haus, auf Dauer? In Nebraska stehen, wie wir auf diese Frage hin erfahren, schon 200 Jahre alte Strohhäuser – und sogar eine Kirche aus Stroh. Also, geht doch!
Irgendwie war es natürlich schon ein Höhepunkt der Tour: das Passiv-Haus de luxe auf dem Petrisberg. Genauer: ein Passiv-Plus-Haus. Die Pluspunkte waren kaum zu übersehen: normalerweise hat ein Passivhaus keinen Wintergarten. Der Wärmeverlust bei so großen Glasflächen spricht dagegen.
Hier ist aber der „Sonnengarten“ mit automatisch verschattenden Super-Luxus-Gläsern ausgestattet. Wärmeverlust? Aber doch nicht bei diesem Glas! Und in edlen kleinen Öfen leuchten Flammen: hier wird Bio-Alkohol CO-2-neutral verbrannt. Die so genannten „Nichtraucheröfen“, vom Hausherrn, dem Architekten Herbert Bee selbst entwickelt, sind vor allem ein „Wohlfühlelement“; im übrigen ersetzt ein kleiner Ofen den durchschnittlichen Wärme-Gewinn durch fünf oder sechs Besucher. Ein weiteres Plus: die drei Gebäudeteile des Passiv-Plus-Hauses sind barrierefrei konzipiert, bei Bedarf also leicht umzubauen für alte oder behinderte Menschen.
Am Ende schwirrte uns der Kopf bei so vielen neuen und spannenden Informationen. Gut, dass die Zuschauer, die zur ersten Öko-Tour des Jahres mitgekommen waren, genauso neugierig und interessiert an den Häusern und Themen waren wie wir. So etwas machen wir wieder: 2010 soll es von der Redaktion noch zwei Öko-Touren geben. Wir werden Sie rechtzeitig dazu einladen!
Ansprechpartner: Johannes Hill
Stadtplanungsamt
Kaiserstraße 18
54290 Trier
Tel: 0651/718-1615 oder -4444
Ansprechpartner: Matthias Gebauer
Am Knieberg 29
54293 Trier-Ehrang
Ansprechpartner: Herbert Bee, Architekt
Peter-Joseph-Lenné-Straße 43
54296 Trier
Tel: 0651/1704702
Letzte Änderung am: 16.03.2010, 15.03 Uhr