aus der Sendung vom Dienstag, 17.11.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Medizin soll helfen – und schafft doch oft neue Probleme! Mit wachsendem Medikamentenkonsum belasten Schmerzmittel, Antibiotika und Antibabypillen auch unser Wasser. Und die normalen Reinigungsmethoden in den Kläranlagen haben sich längst als unzureichend erwiesen gegenüber der Flut „heilsamer“ Stoffe.
Da sind neue Analyse- und Reinigungsverfahren gefragt! Seit fünf Jahren gibt es in Landau – an der Universität Koblenz-Landau – das Institut für Umweltwissenschaften, mit unterschiedlichen Forschungszweigen an insgesamt acht Lehrstühlen. Wissenschaftler erproben zur Zeit beispielsweise ein neues Reinigungsverfahren für Abwässer, mit Ozon.
In künstlichen Bächen im Labor setzt man Flohkrebse unterschiedlicher Belastung durch Schadstoffe im Wasser aus – und reinigt kontrolliert einzelne „Bachläufe“ mit Ozon. Die Flohkrebse im ozongeklärten Wasser zeigen sich munterer, fressen mehr und sind insgesamt vitaler als ihre Artgenossen in nicht gereinigtem Abwasser. Die vorläufige Auswertung ergibt: Ozon kann dazu beitragen, durch Medikamentenrückstände belastetes Wasser zu reinigen.
Einfacher und umweltschonender wäre natürlich die Eliminierung unerwünschter Stoffe im Wasser schon im Vorfeld, auf natürlichem Wege. Auch das wird in Landau erprobt. „Künstliche Bäche“ gibt es hier neuerdings nicht nur im Labor, sondern auch im Freien, als so genannte „Fließgerinne Anlage“. Die Uferstreifen der Test-Gewässer werden hier unterschiedlich bepflanzt, um auszuprobieren, welche Pflanzenart welche Giftstoffe aus dem Wasser filtern kann. Die beteiligten Forscher brauchen allerdings noch Geduld: erst wenn vom Frühjahr an die Pflanzen an den Bachrändern wieder ins Kraut schießen und zeigen, was in ihnen steckt, wird man auch publizieren können, welche Anpflanzung lohnt: welche Pflanzen – an sensiblen Stellen, beispielsweise bei chemischen Betrieben, sozusagen Festanstellungen als Reinigungskräfte erhalten sollten – und welche andere sich bedauerlicherweise um Wasserverschmutzung kaum oder gar nicht kehren.
Weitere Informationen:
Institut für Umweltwissenschaften
Fortstraße 7
76829 Landau/Pfalz
Tel: 06341/280325
Letzte Änderung am: 17.11.2009, 13.04 Uhr