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Fernsehen im SWR

Klimafreundlich reisen Umweltfreundlicher Familienurlaub - geht das?

aus der Sendung vom Dienstag, 31.1. | 18.10 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Im Grünen:
Dr. Sauter-Servaes, ist das Fliegen denn wirklich so ein Problem auch in Zukunft für unser Klima?

Dr. Sauter-Servaes:

Oh, ja ein steigendes: Bis 2025 wird ein überdurchschnittlicher Anstieg urlaubsbedingter Verkehre prognostiziert. Abgesehen von den absoluten Co2 Werten, die durch den Flugverehr verursacht werden, sind die Emissionen in großen Höhen annähernd dreimal so klimaschädlich, wie die am Boden durch den PKW Verkehr zum Beispiel. Auch der Bau neuerer, effizienterer Flugzeuge hilft da nicht wirklich..

Im Grünen:
Wenn es nun aber der größte Wunsch ist, die Flitterwochen an exotischen Stränden zu verbringen, was mach ich dann als „armer“ ökologisch denkender Mensch?

Dr. Sauter-Servaes:

Es geht ja nicht um den totalen Verzicht um jeden Preis. Ihr persönliches Ziel sollte ein klimaverträgliches Reiseverhalten in der Langfristperspektive sein. Und wenn Sie fliegen, können Sie ehrlicherweise einkalkulieren, dass sie den Preis für die Umweltbelastung mit auf die Reisekosten drauf rechnen. Denn Sie können über Umweltorganisationen -wie Atmosfair, oder goClimate- ausrechnen lassen, wie viel Co2 ihre Reise verursacht und dann einen Ausgleich zahlen und in Klimaschutzprojekte investieren.
Prinzipiell ist vermeiden aber besser als „Ablass“ zahlen….

Im Grünen:
Innerhalb Europas kann man ja – theoretisch- mit der Bahn reisen. Aber die hat ja auch nicht immer das beste Ökoimage: Fehlende Auslastung der Züge, der Strom für den Betrieb wird größenteils aus Kohlekraftwerken genommen, wie sehen Sie das?

Dr. Sauter-Servaes:
Wenn Sie ganz nüchtern die Emissionen pro Sitzplatz aller Verkehrsträger vergleichen, ist die Bahn die mit Abstand klimafreundlichste Variante, um ans Reiseziel zu gelangen. Und der Vorteil wächst sogar, auch weil der Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung kontinuierlich steigt.

Im Grünen:
In vielen Untersuchungen aber schneidet der Fernbus in der Klimabilanz am besten ab…

Dr. Sauter-Servaes:
Ja, ein voll ausgelasteter Reisebus ist einem durchschnittlich ausgelasteten ICE bei der Klimabilanz durchaus ebenbürtig. Allerdings ist der Komfort auf der Schiene doch ein höherer, die Reisezeiten meist viel kürzer.

Im Grünen:
Wenn ich klimafreundlich vereisen will, wie mache ich das?

Dr. Sauter-Servaes:

Das Prinzip: Langsamer reisen und näher. Lieber länger bleiben, als häufiger - wenn möglich. Wir beim VCD (Verkehrsclub Deutschland) verfolgen einen konsumentenorientieren Ansatz. Die Leute sollen nicht das Gefühl haben durch Rücksicht auf das Klima an der Urlaubsfreude knapsen zu müssen. Wir bieten zum Beispiel ein Programm an, das heißt: Via Deutschland. Da können sie komplett eine Reise nach Italien zum Beispiel planen, mit Zwischenstopp in Zürich. Dann sehen Sie Hotelangebote, die zu Ihnen passen und Kulturangebote die sie buchen und nutzen können für ihren Stopp over. So wird die Anreise schon zum Urlaub. Wir haben das Angebot gerade auf Frankreich ausgeweitet- Demnächst folgen London und auch Osteuropa. Ziel ist dabei auch die Regionen, die sonst überflogen werden, zu erkunden. Das ist durchaus ein Ansatz, der Genuss verspricht und nicht Verzicht.

Im Grünen:
Hat das einen Haken?

Dr. Sauter-Servaes:
Mit ViaDeutschland wird die Anreise zu einem eigenen kleinen Urlaub im Urlaub, z.B. zu Shoppingtrip in Paris vor dem Strandurlaub an der Cote d’Azur. Statt drei Stunden mit dem Flieger sollte man dafür eher anderthalb bis zwei Tage einplanen.

Im Grünen:
Es gibt ja unzählige Siegel, wie den blauen Engel für schöne Strände oder das Zeichen green globe, was sagen Sie dazu?

Dr. Sauter-Servaes:
Sicherlich ein Anfang, aber langfristig helfen uns Siegel, die immer nur einen Ausschnitt der Reise bewerten – wie zum Beispiel die Umweltverträglichkeit des Hotelaufenthalts – nicht weiter. Letztlich kommt es darauf an, die allerdings eine wichtige Rolle. 75 Prozent der Treibhausgasemissionen im Tourismus stammen aus dem Bereich Verkehr. Eine Flugreise von Frankfurt nach Mallorca erzeugt eine halbe Tonne CO2. Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen liegt bei jährlich drei Tonnen. Sie verbrauchen damit also ein Sechstel Ihres Jahresbudgets in z.B. zwei Wochen – nur für den Flug.

Im Grünen:
Was fordern Sie denn auf politischer Ebene für ein klimafreundliches Reisen?

Dr. Sauter-Servaes:
Das sind die klassischen Themen in der Verkehrspolitik: Zuvorderst gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsträger, z.B. die Einführung einer Mehrwertsteuer für internationale Flüge wie sie im Schienenverkehr schon heute gilt, und die konsequente Verringerung der CO2-Grenzwerte bei PKW.

Im Grünen:

Vielen Dank für dieses Gespräch.

 

 

Adresse der Organisation unseres Experten:

Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD)
Rudi-Dutschke Straße 9
10969 Berlin
www.vcd.org

 


Weitere links zum klimaschonenden reisen

Nachhaltig reisen in Europa mit der Bahn :
www.viadeutschland.de

Magazin mit Informationen zum Thema nachhaltige Reisen
www.fairkehr.de

Co2 Rechner und Informationen zu Klimabelastung durch Flugreisen:
www.atmosfair.de

www.myclimate.org

Letzte Änderung am: 31.01.2012, 11.09 Uhr

Sendezeiten

Dienstags, 18.10 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wiederholungen:
Sonntags, 5.00 Uhr
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