aus der Sendung vom Dienstag, 20.12.2011 | 18.10 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Schon seit Jahren haben die Exoten unfreiwillig Einzug gehalten in deutschen Privathaushalten – gezwungenermaßen. Denn immer mehr Menschen möchten Spinnen, Schlangen, Echsen, Warane, seltene Schildkröten oder exotische Frösche als Haustiere besitzen. Exotenhaltung gilt in bestimmten Kreisen als cool, die Besitzer der Tiere, die hier nicht hin gehören, fühlen sich oft erst durch ihre außergewöhnlichen Haustiere selbst als etwas Besonderes. Doch die Haltung von Exoten kann für den Menschen gefährlich werden, und ist für die Tiere fast immer eine Qual. Viele Reptilien z.B. leben in Privathaushalten unter schlimmsten Bedingungen, weil die Halter nicht verstehen, welche Bedürfnisse die Tiere haben und wie aufwendig und teuer eine artgerechte Haltung werden kann. Die Folge: immer mehr Exoten landen in Tierheimen, die weder Platz noch Geld haben, um sie adäquat zu versorgen. Schon seit Jahren spricht sich der deutsche Tierschutzbund dafür aus, exotische Wildtiere nicht in Privathaushalte aufzunehmen – und erntet dafür viel Kritik von denen, die sich als vermeintliche Tierliebhaber bezeichnen.
Wer über die diversen Reptilienbörsen schlendert – z.B. in Ulm, Hamm oder Augburg – der sieht, dass hochgiftige und potentiell gefährliche Tiere an jedermann verkauft werden. Da werden selbst stressempfindlichste Tiere wie Camelions in Stapelware in Plastikschalen angeboten. Dank florierendem Internet-Handel ist mittlerweile alles verfügbar, was Kunden wünschen. Fragen werden nicht gestellt, z.B. ob ein Halter sich überhaupt auskennt mit dem, was er erwirbt. Das hat zum Teil fatale Folgen: In Mühlheim an der Ruhr z.B. suchte die Feuerwehr wochenlang nach einer entlaufenen Monokel-Kobra. Um die Giftschlange zu finden, wurde ein ganzes Haus auf den Kopf gestellt. Das unschuldige Tier musst getötet werden.
Ein Haltungsverbot für Exoten – so der Deutsche Tierschutzbund – schütze Menschen und auch die Tiere. Denn immer wieder fallen AHlter auf, die 3exotische Vögel, Vogelspinnen oder Reptilien unter katastrophalen Umständen halten. Und weil viele der Exoten ihr Leiden anders als Hunde oder Katzen nicht zum Ausdruck bringen, so Dr. Helmut Stadtfel vom Tierschutzbeirat Rheinland-Pfalz, merken Halter oft gar nicht, wenn ihre Tiere qualvoll verenden. In vielen Fällen können selbst Tierheime, Auffangstationen oder Tierärzte nicht mehr helfen. Trotzdem wehrt sich die Lobby der deutschen Exotenhalter – darunter 2 Millionen Reptilienbesitzer gegen jede Einschränkung. Ihr mächtiger „Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz“ - kurz BNA – unternimmt alles, damit Privatleute die Tiere weiter ohne Auflagen halten können und wettert gegen Tierschützer, die sich für Haltungsverbote einsetzen.
Madeleine Martin, Tierschutzbeauftragte in Hessen, glaubt mittlerweile nicht mehr, dass der Handel und die Haltung von Exoten in Deutschland überhaupt noch gestoppt werden können. Rheinland-Pfalz sollte sich stattdessen auf gefährliche exoten konzentrieren und die Haltung von Tieren wie Taipan oder Grüne Mamba verbieten. Hessen habe gezeigt, dass das geht und positive Erfahrungen gemacht. Doch in Rheinland-Pfalz sieht man in der Haltung von Exoten – egal ob gefährlich oder nicht – noch kein Problem und denkt überhaupt nicht an ein Haltungsverbot. Stattdessen will man die Lebensbedingungen exotischer Tiere mit einer Bundesratsinitiative für eine tiergerechtere Haustierhaltung verbessern. Doch ob die Erfolg hat und ob sie ausreicht, das Elend der Reptilien und anderen Exoten in deutschen Haushalben zu beenden, ist mehr als ungewiss. Wer jetzt schon etwas tun will, der sollte Exoten erst gar nicht anschaffen und sie an Weihnachten erst recht nicht verschenken.
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Letzte Änderung am: 19.12.2011, 13.02 Uhr