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Ganz hoch hinaus Baumkronenforschung

Im Grünen vom Samstag, 5.11.2011 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg

Ort der Forschung ist der Pfälzer Wald. Im Biospährenreservat stehen Tiere und Pflanzen unter besonderem Schutz. In einem 170 jährigen Stieleichenwald soll sich die Baumkronenforschung dem Studium der Algen, Bakterien, Flechten, Moose und Pilze widmen. Das Projekt ist an der Uni Kaiserslautern angesiedelt und wird in die internationale Forschung integriert.

Viele Zusammenhänge und Organismen sind gänzlich unbekannt. Und das, obwohl die Baumkronenforschung schon vor 80 Jahren in den tropischen Regenwäldern angefangen hat. Die Welt in den Wipfeln ist ganz anders als auf dem Boden und man hat sich alle möglichen Tricks einfallen lassen, um auf die Spitze der mehr als 100 Meter hohen Bäume zu kommen. Ob in Bergsteigermanier, mit Gondeln die durchs Blätterdach fahren, oder mit Luftschiffen, die von oben Gummiinseln auf die Bäume setzen. So entdeckte man eine Menge unvorstellbarer Arten. Die Kaiserslauterer Biologen wollen jetzt wissen, wie sich das Leben in unseren heimischen Baumwipfeln abspielt. Am Boden ist der Artenreichtum gut erforscht, doch wie sieht es zum Beispiel hoch oben in alten Eichen aus?

Mithilfe eines Holzturmes können die Wissenschaftler nun jederzeit in die bislang fast unbekannte Welt steigen. Es geht vor allem um eine Frage: Wie wirkt sich das Klima auf das Leben in den oberen Etagen aus? Oben ist nämlich alles viel trockener und bis zu 10 Grad wärmer. Und wer weiß schon, dass jeder Baum 1 Tonne schädliches Klima-Gas Co2 pro Jahr speichert! Exakte Daten werden die Messgeräte rund um den Turm auf insgesamt 6 verschiedenen Plattformen in den nächsten Jahren liefern. Die Baumkronen, sie sind ein komplettes Ökosystem: Jede kleinste Höhle oder Nische bedeutet Lebensraum für Raupen, Käfer und Insekten. Neben den Kleinstlebewesen interessieren sich die Wissenschaftler besonders für die Flechten und Moose, die als perfekte Wasserspeicher bis zu 400 Liter in einer einzigen Baumkrone speichern können und so ein spezielles Mikroklima schaffen.

Die Baumkronen sind Grenzzonen zwischen der Erde und der Atmosphäre, in der Klimaveränderungen als erstes sichtbar werden. Wie, das wollen die Wissenschaftler in den kommenden Jahren im Detail erforschen. Und vielleicht entdecken sie die bisher die eine oder andere unbekannte Art, oder wichtige Wirkstoffe etwa für die Medizin. Der Turm mitten im Pfälzer Wald ist jedenfalls eine großartige Möglichkeit, dem geheimnisvollen Leben in den Baumwipfeln ein Stück näher zu kommen.


Technische Universität Kaiserslautern

Ansprechpartner: Dr. Michael Lakatos
Erwin-Schrödinger-Str. 13
67663 Kaiserslautern

Internet:
www.uni-kl.de

Letzte Änderung am: 16.09.2011, 23.30 Uhr

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Dienstags, 18.10 Uhr
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