aus Im Grünen vom Samstag, 23.7.2011 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg
Feuerwehrleute sind mittlerweile extrem vorsichtig, wenn ein Solardach brennt. Zurecht: Denn ein solcher Brandeinsatz kostete einen Feuerwehrmann aus Nordrhein-Westfalen fast das Leben. Obwohl alles vom Netz getrennt war, traf ihn ein 400 Volt-Schlag. Bei mehreren Bränden, etwa in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg, behinderten Solarmodule die Löscharbeiten. In einigen Fällen konnten die Feuerwehren das Gebäude nur noch kontrolliert abbrennen lassen. In Rheinland-Pfalz gab es bislang noch keinen Vorfall, aber selbstverständlich sind auch hierzulande die Feuerwehrleute sensibilisiert.
Das Grundproblem: Bei auch nur geringstem Lichteinfall produzieren Photovoltaikmodule Strom, stehen also ständig unter Spannung. Zwar lassen sich die Solarkraftwerke partiell abschalten, in der Regel aber nur der untere Teil ab dem sogenannten Wechselrichter, der den solar erzeugten Gleichstrom (DC) in den netztauglichen Wechselstrom (AC) umwandelt. Die Module selbst und die Leitungen bis zum Wechselrichter dagegen stehen weiterhin unter bis zu 1000 Volt hoher Gleichstrom-Spannung; werden etwa beim Löschen zu geringe Abstände gehalten, kann es zu tödlichen Stromschlägen kommen.
Die Lösung besteht zum einen in besserer Schulung, vor allem ehrenamtlicher Feuerwehrleute. In den meisten Bundesländern erhalten sie mittlerweile auch handliche Checklisten für den Einsatz an Gebäuden, auf denen Solarmodule verbaut sind. Zum anderen können Hausbesitzer Größe, Bauart, Zugangsmöglichkeiten und technischen Stand der Solaranlage ihrer örtlichen Feuerwehr melden; langfristig könnte derart ein Photovoltaik-Kataster entstehen und die Feuerwehr wüßte im Ernstfall genau, was sie auf einem bestimmten Haus erwartet. Ist etwa ein sogenannter „Feuerwehrschalter“ installiert, und wo befindet er sich?
Die Entwicklung solcher Abschaltsysteme boomt, seit das Problem erkannt wurde. Manche davon werden zwischen Wechselrichter und Solardach montiert; im Idealfall kann aber sogar jedes einzelne Modul deaktiviert werden. Eine solche Abschaltvorrichtung säße direkt an der Quelle der Gefahr, also direkt an den Modulen und könnte per Fernbedienung betätigt werden. Zahlreiche Unternehmen arbeiten an technischen Lösungen des Problems, einige Abschaltsysteme sind bereits auf dem Markt.
Letzte Änderung am: 14.06.2011, 18.14 Uhr