aus der Sendung vom Dienstag, 15.3.2011 | 18.10 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Biblis – ein Krisenreaktor. Wegen Störanfällen regelmäßig in den Schlagzeilen - und immer wieder Gegenstand heftigster Auseinandersetzungen. Atomkraftgegner fordern seit Jahren die Abschaltung wegen eklatanter Sicherheitsmängel. Doch die Bevölkerung rund um das Kraftwerk war lange gespalten – viele Menschen lebten von dem Kraftwerk und machten sich über die lauernde Gefahr in der Nähe kaum Gedanken. Über diese Haltung muss man sich in Biblis nicht wundern. Schließlich hat der Betreiber RWE in der Vergangenheit durch Sponsoring und kluge PR alles dafür getan, die Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen.
Atomkraftgegner vor Ort sprechen sogar davon, dass sich die Bevölkerung hat kaufen lassen. Die jüngsten Ereignisse in Japan aber werfen ein ganz neues Licht auf das 37 Jahre alte Atomkraftwerk. Die Fragen werden lauter: Wie sicher ist Biblis, wenn es hart auf hart kommt und auch hier am Rhein die Erde bebt. Ist das Atomkraftwerk dafür gewappnet.
Die Lage in Biblis ist denkbar ungünstig. Mitten am Oberrheingraben liegt es. Und dort versenkt und verschiebt sich ab und an. Und so kommt es immer wieder zu leichten Erdbeben. Damit müsse man hier leben, sagen Geologen. Doch wenn solche Beben sogar in Mainz oder Frankfurt zu spüren sind, dann wackelt es in Biblis erst recht - und die bisherigen Schutzmaßnahmen wie z.B. die neuen Sicherheitsdübel, hätten nichts gebracht, sagt der hessische Vorsitzende der Grünen – Tarek Alvazir.
Mit der aktuellen Katastrophe in Japan beginnt auch in Deutschland eine ganz neue Zeitrechung in der Diskussion um die Zukunft unserer Atomkraftwerke. Zur Zeit überschlagen sich die Ereignisse. Und was bisher undenkbar schien, wird plötzlich wahr. Die Bundesregierung hat verkündet: Biblis wird - zumindest für die nächsten drei Monate - vom Netz genommen. Gemeinsam mit 6 weiteren Atomkraftwerken, die vor 1980 in Betrieb genommen wurden. Und der baden-württembergische Reaktor Neckarwestheim wird sogar endgültig stillgelegt, wie Ministerpräsident Mappus erklärte.
Letzte Änderung am: 14.03.2011, 10.26 Uhr