Navigation

Volltextsuche

Im Grünen Die Natur in Rheinland-Pfalz

Logo SWR Fernsehen mit dem neuen Claim "Am besten Südwesten" SWR Fernsehen | Am besten Südwesten Neue Imageclips

Die neuen Imageclips des SWR Fernsehen. Jetzt klicken und anschauen.

Fernsehen im SWR

Erinnerungen werden wach Tschernobyl und die Folgen

aus der Sendung vom Dienstag, 15.3.2011 | 18.10 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

26. April 1986: Mitten in der Nacht explodiert der Reaktorblock vier des Kernkraftwerks Tschernobyl. Damals– vor 25 Jahren - wurde er wahr: der größte anzunehmende Unfall in einem Atomkraftwerk. Durch die Explosion gelangte eine riesige Menge Radioaktivität ins Freie. Erst zwei Tage später bestätigte die sowjetische Führung das Unglück – im Parteiblatt Isvestia ist die Katastrophe den Machthabern im Kreml gerade mal acht Zeilen wert. Die Region rund um das Kraftwerk wurde mit tödlichem Plutonium verseucht. Millionen Menschen wurden verstrahlt. Tausende starben – oft erst Jahre später – unter unglaublichen Qualen. Spezialkräfte in Polen, der ehemaligen DDR und Westdeutschland versuchten, strahlenbelastete Fahrzeuge und Waren aus der Ukraine aufzuhalten. Doch die Verseuchung ließ sich nicht einfach abwaschen. Starker Westwind trieb die radioaktive Wolke von der Unglücksstelle auch zu uns. Mit dem Regen kam es besonders im Süden Deutschlands zum radioaktiven Fall-Out. Cäsium 137 wurde über Städten, Wäldern, Wiesen und Äckern verteilt.

Das Jahr 1986 hat sich auch in Rheinland-Pfalz tief in das Gedächtnis der Menschen eingegraben. In Apotheken kam es zu Hamsterkäufen von Jod-Tabletten. Menschen ließen ihre Körper auf Radioaktivität durchchecken. Überall tickten die Geigerzähler. Und die Landwirte – sie fürchteten um ihre Existenz. Denn ganze Ernten mussten vernichtet werden. In Schifferstadt lagerten Tonnen von möglicherweise verstrahltem Salat. Die ganze Wut der Bauern entlud sich in Mühlheim-Kärlich bei Koblenz. Vor dem einzigen Atomkraftwerk in Rheinland-Pfalz, dass erst einen Monat zuvor seinen Betrieb aufgenommen hatte. Der heftig umstrittene Meiler – nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl wollte ihn keiner mehr haben. Zwei Jahre später wurde Mühlheim-Kärlich endgültig abgeschaltet. Doch nicht etwa aus Einsicht – sondern wegen Fehlern im Genehmigungsverfahren.

Die Folgen von Tschernobyl aber spüren wir in Rheinland-Pfalz bis heute. Massiv betroffen von der Giftwolke waren damals der Hunsrück und der Pfälzer Wald. Besonders im Nadelwald ist der Boden immer noch radioaktiv belastet. Gerade die Pilze in den verseuchten Waldgebieten sind extrem belastet. Doch währen wir Menschen Pilze eher selten essen, fressen Wildschweine so viele davon, wie sie kriegen können. Die Pilze sammeln Cäsium auf wie ein Schwamm. Über den Wildschweinmagen verteilt sich dann ein Teil der Radioaktivität über das gesamte Tier. Je mehr verseuchte Pilze die Tiere fressen, desto stärker strahlen sie. So müssen Wildschweinprodukte aus dem Pfälzer Wald bis heute auf ihre Radioaktivität hin überprüft werden. Das strahlende Erbe von Tschernobyl wird uns noch hunderte Jahre begleiten.

Und gelernt haben wir aus der Katastrophe anscheinend nichts. Noch immer sind 17 Atomkraftwerke in Deutschland am Netz. Trotz beschlossenem Atomausstieg wurden die Laufzeiten im letzten Jahr sogar noch verlängert. Das Argument: man brauche die Kernenergie als Brückentechnologie – und zur Bekämpfung des Klimawandels. Atomenergie – plötzlich eine klimafreundliche Technologie. Das empfinden Atomkraftgegner als verlogen. Jetzt wird wieder heftig gestritten in Deutschland – über die Gefahren der Kernenergie. Die Reaktor-Katastrophe in Japan aber hat uns unmissverständlich gezeigt, dass wir Menschen diese Atomkraft einfach nicht beherrschen können.

Letzte Änderung am: 14.03.2011, 10.26 Uhr

Sendezeiten

Dienstags, 18.10 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wiederholungen:
Sonntags, 5.00 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Samstags, 18.15 Uhr
SWR Fernsehen in Baden-Württemberg