aus der Sendung vom Donnerstag, 10.3.2011 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg
Beton ist aber nicht gleich Beton. Seit Neuestem wird bei uns ressourcenschonender Beton verbaut. Statt Kies oder Naturstein stecken da Steine aus Abrissbauten drin. Er sieht aus wie ganz normaler Beton, lässt sich verarbeiten wie ganz normaler Beton, ist es aber nicht: Bisher wird in Deutschland der Kies für Beton in riesigen Gruben abgebaut. Die Folge: Landschaftszerstörung im großen Stil. Und außerdem: Eine enorme Kohlendioxid-Belastung durch den Transport zu den Baustellen.
Ein paar clevere Unternehmer aus dem Raum Ludwigshafen hatten da eine bessere Idee: Sie nehmen statt Kies Abbruchsteine von abgerissenen Häusern aus der Umgebung. Die Abbruch– und Baustoffrecyclingfirma Scherer und Kohl, zum Beispiel, sortiert in ihrer Bauschutt-Aufbereitungsanlage die Steine nach dem Abladen sogar noch per Hand vor, um Kunststoff, Holz oder Stahldrähte zu entfernen. Beton – und Steinreste bleiben übrig. Spezielle Anlagen zertrümmern die wertvollen Reste zu Granulat. Ganz wichtig dabei: Die Steine haben einen ganz bestimmten Schliff, damit sie später möglichst dicht zusammengepresst werden können.
Beim Betonhersteller TBS in Ludwigshafen wird das Recyclinggranulat zu Beton verarbeitet. Und das ist ein bisschen wie Kuchen backen nur in anderen Dimensionen: Ein riesiger Mischer ist die Küchenmaschine. 450 Kilo Steine braucht man für einen Kubikmeter Beton, dazu 550 Kilo Sand, Wasser und Zement als Bindemittel. Das alles wird in einer riesigen Rührschüssel vermengt. Und je dichter die Steine zusammengepresst werden, desto weniger Zement ist nötig. Das ist gut für die Ökobilanz. Der Recyclingbeton muss die gleichen Eigenschaften haben wie konventioneller. Jede Charge wird getestet. Zum Beispiel auf die richtige Konsistenz. Ganz wichtig: Er muss auch genauso belastbar sein wie normaler Beton.
In Ludwigshafen wurde jetzt der erste Rohbau in Deutschland errichtet, der komplett aus ressourcenschonendem Beton besteht. Die Idee hatte Florian Knappe vom Heidelberger Institut für Energie– und Umweltforschung. Er begleitet den Bau mit einem Forschungsprojekt. Im Auftrag des Instituts hat Angelika Mettke die Eigenschaften des Ökobetons geprüft. Seit 15 Jahren beschäftigt sich die Ingenieurin mit umweltschonenden Baualternativen und hält den Ökobeton für genauso gut wie normalen. Er erfüllt alle auf dem Bau üblichen Normen. In der Schweiz wird schon lange mit Recyclingbeton gearbeitet. Die Erfahrungen dort zeigen, dass Beton aus Abrisssteinen genauso sicher und genauso günstig ist wie normaler Beton. Und dabei schont er gleichzeitig unsere Natur. Vorurteile, die es früher gegen Recyclingbeton gab, sind heute nicht mehr angebracht!
Letzte Änderung am: 22.02.2010, 18.38 Uhr