aus der Sendung vom Donnerstag, 24.3.2011 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg
Solarenergie vom eigenen Dach: Armin Brendel - Ortsbürgermeister in Gensingen - ist überzeugt davon. Doch es ärgert ihn, dass der Ökostrom aus dem Dorf nicht direkt vor Ort verkauft und genutzt wird. Das muss anders werden, sagt er. Deshalb hat er eine Energiegenossenschaft gegründet. Unermüdlich wirbt er Mitglieder: Bürger, die vor Ort Geld in die Produktion und den Handel von Ökostrom stecken. Die Bürgergenossenschaft Rheinhessen, so ihr Name, will erst eine Solaranlage und dann am Dorfrand ein Windrad bauen. Der Ökostrom soll vorerst über das Netz des rheinhessischen Stromversorgers EWR zum Kunden fließen.
Doch das könnte sich bald ändern, denn auch Netzkonzessionen entscheiden über die Zukunft des Ökostroms in Rheinhessen. Das ist auch dem angestammten Versorger klar. Der Energieversorger EWR weiß: Kleine Ökostromanbieter sind in der Lage, große Konkurrenten auszuhebeln. Im Schwarzwald gelang es den „Schönauer Stromrebellen“ – einer Bürgerbewegung - schon 1997 das Stromnetz ihres Städtchens zu übernehmen. Heute produziert ihre Ökostromfirma Elektrizität für über 80.000 Kunden in Deutschland, investiert in Solar- und Windenergie.
Wie schlagkräftig auch Energiegenossenschaften sind, zeigt sich in der Region um Freiburg. Dort hat die Bewegung „Energie in Bürgerhand“ innerhalb kürzester Zeit Tausende Mitglieder geworben und 25 Millionen Euro eingesammelt. Die Genossen wollen damit einen Anteil an einem Energieunternehmen erwerben. Der Einsatz für Ökostrom und gegen Atomenergie ist für umweltbewegte Bürger aus ganz Deutschland Grund genug mitzumachen.
Mehr Sonnenergie, das zieht derzeit auch in Kastellaun viele Bürger in die neugegründete Energiegenossenschaft HunsrückSonne. Darunter sind auch Kleininvestoren, die selbst keinen Sonnenstrom einspeisen, wie Dieter Schneider und Richard Schwinn: nur zwei von inzwischen 94 Mitgliedern, die 400.000 Euro für eine Solaranlage auf dem Schuldach zusammenlegten.
Viele treibt der Umweltgedanke. Die örtliche Raiffeisenkasse betreut das Projekt – auch, weil ganz Kastellaun vom Engagement der Genossen profitiert. Energiegenossenschaften - wie in Kastellaun oder Gensingen - sind auf dem Vormarsch und werden, egal wie klein, den Strommarkt in Deutschland aufbrechen, mit günstigem Strom aus regenerativen Energien.
Weitere Informationen zum Thema „Energie-Genossenschaften“:
Bundesweit sind im Genossenschaftsverband 1800 Mitgliedsgenossenschaften mit 4 Millionen Mitgliedern und 88.000 Arbeitsplätzen im Bereich Kreditwirtschaft, Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Dienstleistung organisiert. Darunter sind nur wenige „Energie-Genossenschaften“. Bundesweit wurden bislang ca. 100 Energiegenossenschaften gegründet, eine Handvoll davon in RP laut. Besonders viele gibt es im Norden Deutschlands. Das liegt vor allem an der stärker vorhandenen Fernwärme großer Mastbetriebe und den vielen Windkraftanlagen.
Die Ziele der Energiegenossenschaften variieren. Bei uns im Land stehen zwei Ziele im Vordergrund: Es soll mehr Ökostrom günstiger angeboten werden. Das heißt die Anzahl der Solaranlagen auf Dächern und Grundstücken soll wachsen. Trotz der sinkenden Einspeisegebühr setzen die Genossen darauf, dass der Strom aus Solaranlagen, wegen der sinkenden Produktionskosten für Photovoltaikmodule auch in Zukunft eine akzeptable Rendite bringt.
Andere Bürger-Energiegenossenschaften stellen sich breiter auf, investieren auch in Windräder, Wasserkraftwerke und Bioenergieanlagen oder kaufen Beteiligungen. Eine wichtige Rolle spielen fast immer die Raiffeisen- und Volksbanken vor Ort, also die Genossenschaftsbanken. Sie verwalten die Anteile und damit das eingesammelte Geld, also die so genannten Genossenschaftsanteile und geben Hilfestellung bei der Gründung.
Unterstützung und Beratung bekommt man beispielsweise beim „GenoPortal“ des Genossenschaftsverbandes Frankfurt. Genossenschaften sind Zusammenschlüsse natürlicher und juristischer Personen mit einem definierten Förderziel, die sich gemeinsam unternehmerisch betätigen. Das Risiko tragen also alle. Auf dieser Basis kann vor Ort langfristig eine autarke und selbst bestimmte Energieversorgung in Bürgerhand aufgebaut werden. Immer wichtiger werden in Zukunft bei der dezentralen Produktion und der Abnahme des Stroms „Intelligente Stromzähler“.
Weitere Informationen zum Thema „GenoPortal“:
„Im Grünen“-Gesprächspartner Prof. Wolfgang George, ist wissenschaftlicher Leiter des „GenoPortals“. Das „GenoPortal“ ist ein Gründungs- und Kompetenzzentrum. Das Portal gibt einen Überblick über die Lage auf dem genossenschaftlich organisierten Energiemarkt in Deutschland. Die Zukunftschancen der Energiegenossenschaften werden sehr positiv bewertet. Prof. George spielte eine wichtige Rolle bei einer Tagung des Energieunternehmens Juwi zum Thema in Mainz Ende Oktober. Dabei ging es um die Renaissance des Genossenschaftsgedankens im Bereich dezentraler regionaler Energieversorgung.
Der Genossenschaftsgedanke in der regionalen Versorgung eint immer häufiger die Interessen von Bürgern, Gemeinden und Städten bei der Nutzung alternativer Energien. Prof. Wolfgang George kümmert um alle zukunftsfähigen neuen Arbeitsfelder für Genossenschaften, die in Zukunft eine wichtige Rolle spielen können, wie das Feld Energie und ökonomisch Erfolg versprechend sind. Er hat sich dabei intensiv mit der Frage der Vernetzung und des Projektmanagements beschäftigt.
Weitere Informationen zum Thema „Bioenergiedorf Oberrosphe“:
Die Bürger in Oberrosphe haben ein Blockheizkraftwerk gebaut, samt einem Sieben-Kilometer-Rohrsystem in ihr Dorf. Die Hälfte der 860 Einwohner ist angeschlossen. Finanziert wurde das Projekt über eingesammelte Genossenschaftsgelder, Fördermittel und Kredite. Jedes Mitglied der Genossenschaft hat 6.000 Euro eingebracht. Im Blockheizkraftwerk werden Holzreste verbrannt. Im Oktober 2008 wurde es eingeweiht. Das Dorf spart jetzt durch bürgerschaftliches Engagement jährlich 300.000 Liter Heizöl und rund 900 Tonnen Kohlendioxid durch die gemeinsame Nahwärmeheizung ein.
Über Photovoltaik will man in zwei Jahren auch beim Strom autark sein von den großen Versorgern. Nach dem Klimagipfel war die Enttäuschung in Oberrosphe besonders groß. Das Dorf hat schließlich jetzt schon die Klimaziele der Bundesrepublik von 2040 erreicht, sagt der Vorsitzende der Genossenschaft Bioenergiedorf Oberrosphe. Begonnen hat alles mit 30 bis 50 Bürgern. Jetzt ist der CO-2-Ausstoß des Dorfes um 50 Prozent reduziert. Die Hälfte der Haushalte hat die Heizung im Keller abgeschafft.
Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft
Regionalstelle Süd- und Vorderpfalz
Ansprechpartner: Dietmar Freiherr von Blittersdorf (Projektleiter)
Referent für Erwachsenenbildung
Kranstraße 40
76829 Landau
Tel: 06341/9858-16
Fax: 06341/9858-25
HunsrückSonne Kastellaun eG
c/o Raiffeisenbank Kastellaun eG
Ansprechpartner: Werner Berg
Marktplatz 7
56288 Kastellaun
Tel: 06762/9311-50
Fax: 06762/9311-70
Regenerative Energie für die Region
Ansprechpartner: Armin Brendel
Binger Straße 15
55457 Gensingen
Tel: 06727/1223
Gemeinsames Restholz-Heizkraftwerk
Ansprechpartner: Hans Bertram (Vorstandsmitglied)
Am Katzler 7
35083 Wetter-Oberrosphe
Tel: 06423/51320
Fax: 06423/541745
Ansprechpartner: Prof. Wolfgang George (Leiter)
Tel: 0641/9482111
Letzte Änderung am: 03.03.2010, 18.34 Uhr
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