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Unerträglicher Krach im Mittelrheintal Bahnlärm macht krank

aus der Sendung vom Dienstag, 2.3.2010 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Der Lärm ist unerträglich. Bis zu 110 Dezibel erzeugen die Güterzüge, die täglich durch das Mittelrheintal rattern – das ist so laut wie ein Rockkonzert. Anwohner kämpfen seit Jahren gegen den Bahnlärm – bisher ohne großen Erfolg. Jetzt könnte eine Lärmstudie im Auftrag des Bundesumweltamtes den Bahnlärmgegnern neuen Rückenwind geben. Der renommierte Bremer Epidemiologe Prof. Eberhard Greiser hat mit Hilfe der Daten von mehr als eine Million Kassenpatienten die Gesundheitsbelastung durch Lärm am Beispiel des Flughafens Köln/Bonn untersucht und dabei Erschreckendes herausgefunden: schon ab 60 Dezibel erhöht sich das Risiko für Herzinfarkte, Leukämie, Brustkrebs oder Schlaganfälle. Die Untersuchung konnte nachweisen, dass in lärmbelasteten Regionen die Verabreichung von Blutdrucksenkern, Herz-Kreislauf-Medikamenten, Beruhigungs- und Schlafmitteln sowie die Verschreibung von Aniti- Depressiva besonders häufig sind. Kein Wunder, denn durch Lärm steht der Körper ständig unter Stress.

Die Ergebnisse der Studie alarmieren auch die Menschen im Mittelrheintal – denn die Belastung durch den Bahnlärm hier ist sogar noch deutlich größer als die durch Fluglärm in der untersuchten Region Köln/Bonn. Selbst in der Nacht rauschen rund 100 Güterzüge durchs Mittelrheintal. Eine Zumutung – findet auch der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister. Er fordert sowohl den Bund als Streckeneigentümer als auch die Bahn als Streckennutzer auf, endlich wirksame Maßnahmen gegen den Bahnlärm auf den Weg zu bringen und – wenn das nicht geht – ernsthaft über eine Alternativtrasse nachzudenken. Die Menschen im Mittelrheintal – so Hendrik Hering – seien lange genug von der Politik vertröstet worden.

Es gab in den letzten Jahren immer wieder vereinzelte Versuche, den Bahnlärm zu reduzieren. Der Bund und die Bahn investierten Millionen in die Gleisdämmung, in lärmschonende Technologie – wie beispielsweise die sogenannten Flüsterbremsen und K-Sohlen an einzelnen Waggons -, in Isolierfenster entlang der Strecke oder in Lärmschutzwände. Doch das sind Schönheitskorrekturen, um die Menschen hier zu beruhigen. Sie reichen nicht aus, den Bahnlärm im Mittelrheintal nachhaltig zu senken. Es fehlt bisher an einer schlüssigen Gesamtlösung für die Region.
Das sieht die Deutsche Bahn ganz anders. Zur Lärmstudie von Prof. Greiser möchte man dort zwar nichts sagen, verweist aber im Gegenzug auf die zahlreichen Lärmschutzmaßnahmen, die man bereits freiwillig auf den Weg gebracht habe. Für die Finanzierung weiterer Maßnahmen sei der Bund zuständig.

Wie mehr als in den Lärmschutz aber investieren Bund und Bahn in den Ausbau des Streckennetzes, um noch mehr Güterzüge auf den Weg zu bringen. So wird zur Zeit mit Hochdruck an der europäischen Güterfernverkehrsstrecke Genua-Rotterdam gearbeitet. Ab 2015 – nach dem Ausbau des Gotthard-Tunnels – sollen dann noch mal 20 bis 50 Prozent mehr Güterzüge – so die Schätzungen - durch das Nadelöhr Mittelrheintal rattern. Güterzüge mit einer Länge von bis zu 1.500 Metern. Ein Horrorszenario für die gebeutelte Region, in der jetzt schon immer mehr Dörfer aussterben, weil die Menschen flüchten. Dann – so Frank Gross von der Bürgerinitiative „Pro Rheintal“, könne man im Mittelrheintal einfach nicht mehr leben. Schon heute ist das Welterbetal eine aussterbende Region. Einzelne Gemeinden wie Stolzenfels oder Assmanshausen haben bereits bis zu 50 Prozent der Einwohner verloren und gleichen Geisterdörfern. Der Titel UNESCO-Welterbe wird im Mittelrheintal unter diesen Bedingungen nicht zu halten sein. Denn was ist eine Region noch wert, in der die Menschen nachweislich krank werden, weil es durch den Bahnlärm dauerhaft einfach unerträglich laut ist.


Weitere Informationen

Umfangreiche Informationen zum Bahnlärm im Mittelrheintal

Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.
Ansprechpartner: Willi Pusch
Rheinuferstraße 44
56341 Kamp-Bornhofen
Tel: 06773/7547

E-Mail:
willi.pusch@bahnlaerm-mittelrhein.de

Bürgernetzwerk Pro Rheintal

Ansprechpartner: Frank Gross
Simmerner Straße 12
56154 Boppard
Tel: 06742/801069 0

E-Mail:
lions@pro-rheintal.de
Internet:
www.pro-rheintal.de

Alliance gegen Umweltschäden durch Schienenverkehr (AGUS)

Zusammenschluss zahlreicher Bürgerinitiativen

E-Mail:
h.jeschke@agus-umwelt.de
Internet:
www.agus-umwelt.de

Letzte Änderung am: 23.02.2010, 12.26 Uhr

Sendezeiten

Dienstags, 18.10 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Wiederholungen:
Sonntags, 5.00 Uhr
SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Samstags, 18.15 Uhr
SWR Fernsehen in Baden-Württemberg