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Tiertransporte Rheinland-Pfalz will Tieren helfen

aus der Sendung vom Dienstag, 8.12.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz

Schlachttiertransporte kreuz und quer durch Europa unter unvorstellbar elenden Bedingungen sollten eigentlich der Vergangenheit angehören. Doch es scheint immer noch profitabler zu sein, lebende Tiere tausende Kilometer herumzufahren als Gefrierfleisch zu transportieren. Um zumindest die Bedingungen für die geschundenen Kreaturen erträglicher zu machen, soll die Dauer der Transporte auf acht Stunden begrenzt und Langstreckentransporte ganz verboten werden. Die rheinland-pfälzische Landesregierung setzt sich für bessere Bedingungen ein.

Druck von Tierschützern wie den Animal Angels und schreckliche Bilder einer Fernsehdokumentation über verletzte, halbtote Rinder, die mit Kränen verladen werden, hatten letztlich dazu geführt, dass die EU immerhin die Subventionen von Schlachttier-Exporten stoppte. Dennoch: 360 Millionen Tiere werden in Europa und über seine Grenzen hinaus jedes Jahr transportiert. Seit die EU mit einer neuen Verordnung die Auflagen für Transporte vor drei Jahren verschärft hat, ist die Situation vor allem für Pferde, Rinder oder Schafe, die zur Zucht gedacht sind, besser geworden. Die Regeln für Schlachtvieh aber, ist immer noch im Nachteil.

Schlachtrinder zum Beispiel maximal 14 Stunden am Stück gefahren werden. Dann muss der Fahrer eine Pause machen und sie tränken, bevor es weiter geht. Schlachtschweine dürfen nach der Verordnung maximal 24 Stunden ohne Stopp transportiert werden. Darüber hinaus müssen die LKW für Langzeittransporte unter anderem Lüftungsanlagen und Wassertränken haben. Ruhe- und Fahrzeiten müssen genau dokumentiert werden, trotzdem werden immer noch Tiere länger transportiert, als erlaubt. Tierschützer berichten vom Umladen und Umdeklarieren, um die Vorschriften zu unterlaufen.

Kontrollen kosten Zeit und viel Personal, deshalb finden sie nur stichprobenartig statt. Zum Beispiel auf der A 61 bei Kruft. Bei Tiertransporten sind auch immer die Ärzte eines Veterinäramtes dabei. Ihre Statistik der letzten Jahre zeigt: Jeder fünfte Tiertransport, der durch Rheinland-Pfalz führt, entspricht nicht den EU Vorgaben. Meist sind die Tiere zu dicht geladen oder die Fahr- und Tränkzeiten wurden nicht eingehalten. Mit solchen „schwarze Schafen“ will der Vorsitzende des Vieh- und Fleischhandelsverbandes Rheinland-Pfalz, Thomas Sutor, nichts zu tun haben. Seit Jahrzehnten handelt der Seniorchef mit Rindern und Schweinen. Ein gesundes Tier auszuliefern, liegt ganz im Interesse des Händlers, sagt er, denn sonst gäbe es doch am Schlachthof Abzüge.

Die Initiative der Landesregierung Rheinland-Pfalz, Transporte generell auf acht Stunden zu begrenzen hält er für unrealistisch und wirtschaftlich nicht tragbar: Schuld sei der Kostendruck, sagen die Fleischhändler, denn große Schlachthöfe in Niedersachen oder Osteuropa könnten viel günstiger schlachten als unsere. Und die Verbraucher wollen gutes Fleisch, aber wenig dafür zahlen. So seien viele Händler quasi gezwungen, mit den Tieren weite Strecken zu fahren. Dieses Argument finden auch Tierschützer plausibel. Aus ihrer Sicht müsste aber die Politik einen klaren Kurs pro Tierschutz fahren und Vorgaben verabschieden, die für alle Transporte gelten, auch in Länder außerhalb der EU. Davon ist man aber noch weit entfernt: Zwar hat die EU 2005 die Subventionen für Schlachttier-Transporte in Drittländer gestoppt, doch andere Transporte werden immer noch mit EU-Geldern gefördert. Jüngstes Beispiel: Eine Lieferung von deutschen Zucht- und Mastrindern nach Libyen. So werden die Bestimmungen der Transport-Verordnung umgangen:

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat das Thema Tiertransporte zur Chefsache gemacht und fordert, dass die Transportzeiten konsequent auf acht Stunden begrenzt und Langstreckentransporte verboten werden. Zusammen mit Umweltministerin Margit Conrad hat er an Polizeikontrollen teilgenommen. Finden verstärkte Kontrollen nur in Rheinland-Pfalz statt, informieren sich die Lkw-Fahrer über Funk und umfahren das Hindernis. Wirksam kann also nur eine überregionale Regelung sein. Das Land Rheinland-Pfalz hat entsprechende Vorlagen beim Bundesrat gemacht und will sich weiter für den Tierschutz stark machen.

Letzte Änderung am: 27.11.2009, 23.30 Uhr

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