aus der Sendung vom Dienstag, 17.11.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Das Kraut hat den wunderschönen Namen „Artemisia Annua“; ursprünglich stammt es aus China und man kennt es dort seit Jahrtausenden. Klaus Strub, gelernter Gärtnermeister und Biolandwirt im Ruhestand, erntet das Kraut auf seinem eigenen Acker in Nierstein gleich kiloweise. Denn seit Jahrzehnten war er immer wieder in Afrika und hat selbst erlebt, wie dringend Heilmittel gebraucht werden, die Malaria kurieren. Handelsübliche Tabletten können helfen; doch die sind für die armen Leute - in Eritrea oder im Sudan beispielsweise unerschwinglich! Also schickt Klaus Strub die getrockneten Teeblätter in kleinen Plastikfässern nach Afrika, über die christliche Hilfsorganisation „anamed“, der er angehört.
Doch damit nicht genug: der „Ruheständler“ aus Nierstein setzt alle seine Kräfte dafür ein, den Einheimischen sein Wissen weiter zu geben. Grundlagen der Naturmedizin lehrt er in Wochenseminaren im Sudan zum Beispiel. Er möchte junge Leute, die den Reichtum tropischer Pflanzen oft kaum noch kennen, in die Lage versetzen, mit einfachen natürlichen Mitteln möglichst viele Krankheiten zu heilen. Artemisia Annua, mit Olivenöl und Kamille gemischt, kann auch als Salbe gut helfen bei Hautkrankheiten aller Art. Die schwarzen Schüler des weisen alten Mannes aus Rheinhessen sind begierig auf dieses Wissen. Es macht sie gleichzeitig unabhängiger und selbstbewusster. Traditionelle Kenntnisse der tropischen Heilkräuter und Früchte sind oft verloren gegangen, weil die Menschen selbst entwurzelt wurden, durch Armut, Migration oder Krieg. Auch an früheres wertvolles Wissen wollen Klaus Strub und die, mit denen er zusammen arbeitet, wieder anknüpfen.
Klaus Strub ist bekennender Protestant, auch „Prädikant“ der evangelischen Kirche, d.h. zur Predigt berechtigt. Aus tiefem Glauben predigt er auch in Afrika. So ist er christlicher Missionar und Missionar in Sachen Naturmedizin. Dass sein Wissen von der Heilkraft der Pflanzen, der Artemisia Annua beispielsweise, auch wissenschaftlicher Nachprüfung standhält, damit befassen andere sich: so zum Beispiel ein Professor für pharmazeutische Biologie an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität.
Professor Thomas Efferth war als Wissenschaftler zunächst Molekularbiologie. Dann hat er sich der Pharmazie zugewandt und ist – eher zufällig – bei seiner wissenschaftlichen Arbeit in Kontakt gekommen mit traditioneller chinesischer Medizin.
Vor seiner Berufung auf einen Lehrstuhl im Fachbereich Biologie in Mainz hat Professor Efferth am Krebsforschungszentrum in Heidelberg gearbeitet. Eins der „Heilkräuter“, bzw. einer der Inhaltsstoffe eines Beifußgewächses, hat ihn dort besonders interessiert: das „Artemisinin“, der zentrale Wirkstoff von Artemisia Annua. Thomas Efferth hat festgestellt , dass Artemisinin sowohl gegen Malaria als auch gegen Krebszellen nachweislich wirksam ist. Inzwischen unterrichtet er in Mainz angehende Pharmazeuten – und an einer Universität in Nordchina chinesische Studenten. Mit seinen Forschungen versucht er auch, eine Brücke zu schlagen zwischen westlicher „High-Tech - Medizin“ und dem Jahrtausende alten Wissen traditioneller chinesischer Medizin. Ob „Artemisia Annua“ zum Beispiel in der Anwendung nicht nur des Wirkstoffs Artemisinin, sondern gerade in der Kombination der verschiedenen Bestandteile der Pflanze therapeutisch von Vorteil ist, - damit wird sich Professor Efferth in Zukunft noch weiter befassen.
Weitere Informationen:
Außerhalb 14
55283 Nierstein
Tel: 06133/5358
Schafweide 77
71364 Winnenden
Ansprechpartner: Hans-Martin Hirt
FB Biologie
Professor Thomas Efferth
55099 Mainz
Tel. 06131-3925751
Letzte Änderung am: 17.11.2009, 13.04 Uhr