aus der Sendung vom Dienstag, 3.11.2009 | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Das ist Rudi - und das ist Ottmar, Dr. Ottmar Kullmer, Urmenschenforscher aus Mainz.
Für ihn ist Rudi ist ein Star, denn sein Unterkiefer ist 2,5 Millionen Jahre alt und so wertvoll, dass der Fund eines halben Backenzahns den Forscher glücklich gemacht hat. Seither sucht der gebürtige Frankenthaler hier in Malawi Rudis Überreste, Skeletteile des Homo Rudolfensis. Er gehört zum Team des weltweit bekannten Paläoanthropologen Prof. Friedemann Schrenk. Urmenschenforscher wie Schrenk und Kullmer durchstreifen Afrika noch fast wie Abenteurer in Hollywood-Streifen.
Nur, dass es den Forschern vom Frankfurter Senckenberg-Institut nicht um Gold oder Diamanten, sondern um Zähne und Knochensplitter geht. 3-D-Projektion eines Homo Rudolfensis Schädels: Weltweiter Datenaustausch erlaubt die Rekonstruktion ganzer Urmenschen-Skelette. Dabei werden die Fossilien mit Lasertechnik millimetergenau vermessen. Doch wer in Kullmers Frankfurter Büro Berge von Menschenknochen erwartet, irrt. In den Schubladen verwahrt er Tierfossilien, Pferdezähne oder bis zu zwei Millionen Jahre alte Schweineknochen. Solche Schweinekiefer hütet er wie einen Goldschatz, denn die Zähne enthalten Botschaften der Urmenschen.
Dieses Wesen ist noch viel älter als Rudi. Der Schreibtisch des Paläoanthropologen ist voller Vorzeitfunde. Nur diese Neandertaler sind fast so jung wie wir. Kullmer arbeitet mit dem Mainzer Max-Planck-Institut zusammen. Seine Funde, hier ein Nilpferd-Backenzahn, werden in dünne Scheiben geschnitten und untersucht: Es geht um Kratzer und Schleifspuren. Sie geben Hinweise auf Umwelt und Ernährung vor zwei Millionen Jahren. Die Suche nach unseren Vorfahren hat auch Kullmers Sicht der heute lebenden Menschenaffen verändert. Jeder Blick unserer engsten Verwandten berührt ihn inzwischen.
Rudi ist uns vielleicht ähnlicher gewesen, als wir alle glauben, sowie viele der Wesen, die das Frankfurter Senckenberg-Museum in seiner Ausstellung „Safari zum Urmenschen“ zeigt. Auch ein Grabungscamp wurde im Museum nachgebaut mit Dr. Kullmer – Indiana Jones aus Mainz: ein Mann mit einem Traum. Schon Anfang Februar will der Mainzer wieder los, mit gepacktem Rucksack auf „Safari zum Urmenschen“. Diesmal wird in Äthiopien gegraben.
Weitere Informationen zur Ausstellung: Safari zum Urmenschen“:
Höhepunkt der Sonderausstellung „Safari zum Urmenschen“ ist ein großer Raum mit rund 40 individuell gestalteten Darstellungen unserer Vorfahren. Sie reichen zurück in die Zeit der Frühmenschen, lange bevor die ersten Menschen der Gattung Homo lebten. In der Ausstellung im Frankfurter Senckenberg-Museum werden sieben Millionen Jahre Menschheitsgeschichte lebendig und erfahrbar. Die Gesamtschau der Urmenschenforschung lebt auch von den Erfahrungen von Dr. Ottmar Kullmer und Prof. Friedemann Schrenk in Afrika, der Wiege der Menschheit. Sogar eine Ausgrabungsstelle der Paläoanthropologen wurde nachgebaut. Die Ausstellung hat am 9. Oktober geöffnet und ist noch bis zum 18. April 2010 als Sonderausstellung im Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt zu sehen.
Sonderausstellung „Safari zum Urmenschen“
Wolfgang-Steubing-Halle
Ansprechpartnerin:
Doris von Eiff (Pressereferentin)
Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt a.M.
Tel: 069/7542-1257
Fax: 069/7542-1520
Literaturtipps
Kleine Senckenberg-Reihe 51/Safari zum Urmenschen
Die Geschichte der Menschheit – entdecken, erforschen, erleben
Thorolf Hardt, Bernd Herkner, Ulrike Menz
Frankfurt, 2009, 144 Seiten, 146 Abbildungen
9,80 Euro, ISBN 978-3-510-61395-3
Museumspädagogische Reihe 2
Mosaik Menschwerdung/Didaktische Materialien
Marie Rahn u. Daniela Szymanski
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Frankfurt, 2009
7 Euro, ISBN 978-3-929907-81-0
Adams Eltern
Expeditionen in die Welt der Frühmenschen
F. Schrenk u. T. Bromage
Aufgezeichnet von S. Müller____
Jahr-Verlag GmbH & Co, C.H. Beck
München, 2002
Letzte Änderung am: 27.10.2009, 00.56 Uhr