aus der Sendung vom Dienstag, 23.11.2010 | 18.10 Uhr | SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz
Im Neuwieder Tierheim sind zur Zeit 40 Hunde untergebracht – eigentlich viel zu viele für das Haus. Doch Edith Muscheid versucht, jedem Tier zu helfen. Und jedes hat sein eigenes Schicksal. Wie Bill, ein Schlittenhund, der noch bis vor Kurzem auf einem 800 Quadratmeter-Grundstück zu Hause war. Sein Besitzer hat Insolvenz anmelden müssen, kann ihn nicht mehr halten und ist sehr unglücklich darüber. Seit Beginn der Finanzkrise hat sich die Situation in den Tierheimen extrem verschärft. Vor allem Hunde und Katzen werden abgegeben.
Aber auch immer mehr Kleintiere wie Kaninchen, Hamster oder Meerschweinchen landen hier, weil die Besitzer das Futter nicht mehr zahlen können – oder wollen. So schießen die Kosten in die Höhe und gleichzeitig sinken die Einnahmen – in manchen Fällen sogar um mehr als 30 bis 40 Prozent. Denn auch immer weniger Menschen sind in der Lage, die Abgabegebühren – für Hunde etwa 150 Euro – zu bezahlen. Bei alten Menschen, die sich rührend und sehr kundig um ihre Tiere kümmern, ist die Situation besonders schlimm: immer mehr müssen ihren tierischen Liebling aus finanziellen Gründen abgeben. Manche geben mit ihm auch ihren letzten Halt ab. Besonders betroffen sind auch Hartz-IV-Empfänger. Das Arbeitslosengeld sieht keine Sonderleistungen für Tiere vor!
In Neuwied ist die Situation dramatisch: 50.000 Euro Minus. Kommt keine Hilfe von außen, muss das Tierheim bis zum Jahresende sogar schließen. Das wäre eine Katastrophe, denn die Region braucht das Tierheim. Und überhaupt: in wirtschaftlichen Krisenzeiten brauchen wir Tierheime dringender denn je. Das spürt man seit Beginn der Finanzkrise auch im Tierheim Mainz. Auch hier sorgen Spendenverluste, viel zu viele hilfsbedürftige Tiere und explodierende Kosten für Zukunftsängste. Noch ist die Versorgung der Tiere gesichert – doch wie lange noch? 60 Hunde, 150 Kleintiere und 90 Katzen warten allein in Mainz auf neue Besitzer. Und das in einer Zeit, in der den Menschen immer weniger bleibt und die Tiere das viel zu oft als Erste spüren müssen.
Die Tierheime sind im ganzen Land zu einem unrühmlichen Nebenschauplatz der von Menschen verursachten Wirtschaftskrise geworden. Doch einen millionenschweren Rettungsschirm – den gibt es für SIE nicht.
Letzte Änderung am: 23.09.2009, 18.14 Uhr